Stimmung im Juli
Ifo-Geschäftsklima sinkt unerwartet deutlich

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli nochmals deutlich verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) ging von 101,2 auf 97,5 Punkte zurück und damit noch stärker als von Volkswirten erwartet.

HB BERLIN. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli unerwartet deutlich abgekühlt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf den tiefsten Stand seit September 2005.

Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 100,0 Punkte gerechnet. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Bereits im Juni war der Index gesunken.

Der unerwartet starke Rückgang des Ifo-Index setzte am Donnerstag Dax und Euro etwas unter Druck. „Die deutliche Stimmungseintrübung in der Euro-Zone setzt sich fort“, kommentierte HSBC-Volkswirt Thomas Amend. Das passe ins Bild, nachdem auch andere Daten bereits Schwäche gezeigt hätten.

Die Gemeinschaftswährung sank auf 1,5665 Dollar, nachdem sie vor Bekanntgabe des Index knapp unter der Marke von 1,57 Dollar gelegen hatte. Der Bund-Future weitete dagegen seine Kursgewinne aus und notierte zuletzt 55 Ticks im Plus bei 110,52 Zählern. Der Dax fiel leicht zurück auf 6499 Zähler, ein Minus von 0,6 Prozent.

Im Juli bewerteten die Firmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate nochmals deutlich schlechter. Der Index für die Erwartungen sank von 94,6 auf 90 Punkte und erreichte damit den tiefsten Wert seit fast sechs Jahren. Der Lage-Index ging von 108,3 Punkte auf 105,7 zurück. „Die Unternehmen sind mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage spürbar weniger zufrieden“, sagte Sinn.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Matthias Rubisch von der Commerzbank urteilt: „Die Daten sehen sehr schlecht aus. Das ist ein eindeutiges Abschwungsignal. Inzwischen sind die Erwartungen der Unternehmen auf einem Niveau, das auf Rezession deutet.“ Es müsse aber nicht so schlimm kommen. „Die Wirtschaft ist noch solide aufgestellt und die Lageeinschätzung noch relativ gut. Der Ifo-Index sollte sich jetzt aber langsam fangen und sich auf diesem Niveau stabilisieren“, meint Rubisch. Eigentlich müsse die EZB jetzt die Zinsen senken, um die Wirtschaft zu stützen, aber die hohe Inflation verhindere dies derzeit.

„Das Ausmaß der Verschlechterung hat mich überrascht. Vor allem die Erwartungskomponente ging deutlich nach unten, stärker als die Lagebeurteilung, aber auch die sieht nicht gerade rosig aus“, sagte Gerd Hassel von der BHF-Bank. Insbesondere der Einzelhandel sei betroffen. Ganz unbeachtet gehe der EZB-Zinsschritt Anfang Juli nicht an den befragten Unternehmen vorbei, er ist aber zu klein, als dass sie ihn in ihren Geschäften spüren. Laut Hassel kann es durchaus zu einer Rezession in Deutschland kommen.

„Der Ifo-Index ist wie ein Stein gefallen“, meint Andreas Rees von Unicredit. Der Grund dafür sei weniger in den Finanzturbulenzen oder dem hohen Ölpreis zu suchen. Der Rückgang sei vor allem von der dramatischen Wachstumsverlangsamung in vielen anderen Euro-Ländern verursacht worden. Auf diesen wichtigen Absatzmärkten für die deutschen Unternehmen gehe es deutlich nach unten. Die Auftragsbestände würden deshalb zusehends geringer. Das drücke auf die Stimmung. Dennoch sagt Rees: „An eine Rezession glauben wir aber nicht.“

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