Stimmungsumfragen
Signale für schwächeres Wachstum nehmen zu

Die Stimmung fällt in der Europäischen Wirtschaft: Nach dem starken Wachstum im ersten Quartal sorgen nun sinkende Absatzchancen und Kaufkraft im In- und Ausland für schlechtere Aussichten - besonders in der deutschen Industrie.

DÜSSELDORF. Nach dem überraschend starken Wachstum im ersten Quartal, das durch Sondereffekte nach oben verzerrt war, droht Deutschland und den großen Ländern der Euro-Zone im restlichen Jahresverlauf eine deutliche Konjunkturabschwächung. Diesen Schluss ziehen Bankvolkswirte aus den Juni-Stimmungsumfragen in der Wirtschaft, die alle schlechter ausfielen als erwartet. Eine weitere Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank über die bereits angekündigte hinaus halten sie in diesem Umfeld für kontraproduktiv.

Insbesondere die erstmals seit exakt drei Jahren unter ihren langjährigen Durchschnitt gesunkenen Ifo-Geschäftserwartungen lassen die Ökonomen in den kommenden sechs Monaten ein unterdurchschnittliches Wachstum befürchten. Dieser Teilindex fiel von 97,2 auf 94,7 Punkte. Auch ihre aktuelle Lage beurteilten die 7 000 befragten Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel weniger positiv. Der Lage-Index überschreitet mit 108,3 nach 110,1 Punkten aber weiterhin deutlich seinen historischen Mittelwert.

Dies könnte sich aber ändern, sofern die Nachfrage in den nächsten Monaten weiter bröckelt. Bankvolkswirte halten deshalb weitere Rückgänge des Ifo-Geschäftsklimaindexes in den nächsten Monaten für sehr wahrscheinlich. Im Juni sank er von 103,5 auf 101,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2005. Nach vorläufigen Berechnungen für den Markit/BME-Einkaufsmanagerindex, die ebenfalls gestern veröffentlicht wurden, hat die deutsche Industrie im Juni stärker als in den Vormonaten auf Halde produziert. Die Auftragsbestände gingen nach dieser Umfrage zum zweiten Mal in Folge zurück, die Industrie beklagte zudem eine unterdurchschnittliche Entwicklung bei den Auslandsbestellungen. Laut Ifo erwarten die Unternehmen in den kommenden drei Monaten zwar geringere Impulse vom Auslandsgeschäft, aber keinen Exporteinbruch.

Besonders deutlich hat sich das Geschäftsklima bei der deutschen Industrie abgekühlt – für manche Ökonomen gestern die negative Überraschung des Tages. Allerdings schneidet sie im europäischen Vergleich relativ gut ab. Ihr Einkaufsmanagerindex sank im Juni zwar von 53,6 auf 52,3 Punkte, signalisiert aber – wenn auch schwächeres – Wachstum. Gleiches gilt für die deutschen Dienstleister. Die entsprechenden Indizes für die Euro-Zone rutschten dagegen unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten – angeführt von sehr schlechten Werten für Frankreich. Damit verschlechtern sich die Absatzchancen der deutschen Industrie auf ihren wichtigsten eurokurs-unabhängigen Märkten. Der Anstieg der Lebensmittel- und Ölpreise schmälert wegen des Kaufkraftentzugs bei den Verbrauchern aber auch die Absatzchancen der konsumnahen Branchen im Inland.

Weil die Verkaufspreise nicht so stark angehoben werden können wie insbesondere Energie und Rohstoffe teurer werden, geraten zudem die Margen unter Druck. Für das Ifo-Institut ist deshalb der Ölpreis derzeit der stärkste Belastungsfaktor für die deutsche Wirtschaft. Bei der Personalplanung reagiert sie bereits mit Vorsicht. Der Beschäftigungsaufbau verlangsamt sich. In der Euro-Zone kam es in der Industrie sogar zum ersten Jobabbau seit Februar 2006.

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