Strategie bekräftigt
Weber stärkt EZB den Rücken

Während die Kritik am Säulen-System der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht abreisst, verteidigt Bundesbankpräsident Axel Weber genau dieses Modell. Weber warnt davor, nur kurzfristige Entwicklungen zu berücksichtigen.

FRANKFURT. Bundesbankpräsident Axel Weber hat davor gewarnt, Zinsentscheidungen im Euro-Raum nur an kurzfristigen Inflationsgefahren aus der konjunkturellen Entwicklung zu orientieren. Längerfristige Inflationsrisiken, die sich aus dem Geldmengenwachstum, der Kreditgewährung und dem Liquiditätsniveau ergäben, dürften in keinem Fall vernachlässigt werden, mahnte Weber im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er wandte sich grundsätzlich gegen Ratschläge von Wissenschaftlern, die eine Analyse der längerfristigen monetären Faktoren für Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) für unnötig halten.

„Wenn wir nur auf konjunkturelle Entwicklungen achten würden, wäre die Gefahr immens, dass wir geldpolitisch ,hinter die Kurve' geraten“, sagte der Bundesbankpräsident. „.Wir müssen die unterschiedliche Fokussierung auf die kurze, die mittlere und die längere Sicht beibehalten, um eine erfolgreiche Geldpolitik zu machen. Wer umsichtig agieren will, sollte, bildlich gesprochen, mit Lesebrille und Fernrohr gleichzeitig arbeiten."

Die geldpolitische Strategie der EZB basiert auf zwei Säulen. Im Rahmen der ersten Säule, der „wirtschaftlichen Analyse“, untersucht die EZB reale Indikatoren auf kurzfristige Inflationsrisiken hin. Mit der zweiten Säule, der „monetären Analyse“, räumen die Währungshüter dem Geld eine wichtige Rolle ein. Dabei geht es um die längerfristigen Inflationsgefahren, die sich aus Geldmengenentwicklung und Kreditgewährung ergeben.

Bei einer Experten-Konferenz der EZB im November 2006 hatten Wissenschaftler die zweite Säule buchstäblich zerrissen. Und der EZB-Stab stellte in einem Papier fest, dass die Erkenntnisse aus der monetären Säule bei den Zinsentscheidungen des EZB-Rats allenfalls gelegentlich eine Rolle gespielt hätten. Weber stellte klar: „Die Sicht, dass die geldpolitischen Entscheidungen die monetäre Entwicklung nicht berücksichtigen, ist falsch.“ In den drei Jahren, die er dem EZB-Rat angehöre, hätte sie in jeder Beratung über die Geldpolitik eine Rolle gespielt.

Wie aus Notenbankkreisen verlautet, hat der Rat inzwischen beide Säulen in internen Seminaren überprüft, zuletzt am 12. April die monetäre Säule, und keinen Anlass gesehen, seine Strategie zu ändern. Weber wollte sich dazu nicht äußern.

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