Strauchelnde Wirtschaft
Niederlande im Niedergang

Die Niederlande führen eine ähnliche strenge Finanzpolitik wie Deutschland. Die Wirtschaft aber schrumpft und Sparmaßnahmen sind geplant. Doch die Regierungskoalition ist vom Rechtspopulisten Wilders abhängig.
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Amsterdam/BrüsselDie Niederlande gehören zur Euro-Kernzone. Die strenge Finanzpolitik wurde in einem Atemzug mit der des großen Nachbarn Deutschland genannt. Doch nun könnte das „AAA“-Rating der Holländer wackeln. Ökonomen schlugen bereits Alarm: „Unserer Meinung nach haben die Niederlande bereits das (wirtschaftliche) Herz Europas verlassen“, hieß es in einer Studie der Citigroup.

Der Wirtschaftsmotor stottert.

Prognosen der Europäischen Kommission von Februar zufolge wird die holländische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,9 Prozent schrumpfen, deutlich mehr als im Schnitt der gesamten Eurozone. Nur in Griechenland, Spanien und Portugal soll die Wirtschaft noch stärker schrumpfen.

Die Daten der holländischen Experten von CPB, einer unabhängigen Organisation für makroökonomische Analysen, sind ähnlich düster: Für 2012 und 2013 wird ein Budgetdefizit von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwartet. Erlaubt sind nach den Euro-Spielregeln nur 3,0 Prozent. Die Regierung muss 15 Milliarden Euro einsparen, um das Budgetdefizit unter diese Vorgabe zu bringen. Eine bittere Pille für die Holländer, die in der Vergangenheit immer eine harte Linie gegen EU-Schuldensünder verlangt haben.

Die Rezession in den Niederlanden werde bis in die zweite Hälfte des Jahres andauern, sagt das CPB vorher, das auch die Regierung in Den Haag berät. Ihren Analysen zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,75 Prozent nachgeben. Erst 2013 werde eine leichte Erholung eintreten und die Wirtschaft um 1,25 Prozent wachsen. Steigende Arbeitslosigkeit und schwacher Konsum tragen zu dem erwarteten niedrigen Wachstum bis 2015 bei.

Kommentare zu " Strauchelnde Wirtschaft: Niederlande im Niedergang"

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  • Da könnten Sie nicht ganz unrecht haben.

  • Wenn selbst die letzte verbliebene Weltmacht USA am Boden liegt und 46 Millionen Amerikaner mit Essensmarken dahin vegetieren müssen, sollte man doch langsam erkennen, dass das Problem irgendwie tiefer liegt.

    Kleiner Tipp: Vielleicht und möglicherweise hat das irgend etwas mit den inneren Widersprüchen unseres kapitalistischen Wirtschaftssysem zu tun, das an seiner letzten Schranke angekommen ist.

    Die letzten Krisen konnten ja noch durch Ausweitung des Kapitalismus auf alle Länder der Welt übertüncht werden, aber jetzt bleibt nichts mehr zum Auswei(d)ten. Ende im Gelände!

    Da können wir auch Moslems oder Taliban oder wen auch immer totschlage wie wir wollen, das nutzt nur nix mehr.

  • hervorragend!

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