Streit um Arbeitskosten
Ökonomen uneins über deutsches Lohnniveau

Arbeit hat sich zu Jahresbeginn in Deutschland verteuert – verglichen mit den europäischen Nachbarn allerdings weniger deutlich.

HB DÜSSELDORF. Die Arbeitskosten pro Stunde kletterten zwischen Januar und März hier zu Lande um 0,6 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2005; im gesamten Währungsgebiet stiegen sie dagegen um 2,2 Prozent. Ob eine Stunde Arbeit in Deutschland im internationalen Vergleich zu teuer ist oder nicht, zählt auch nach Jahren moderater Lohnanstiege zu den umstrittensten Fragen unter Ökonomen und Politikern. Richtig ist: Nach wie vor kostet eine Arbeitsstunde in Deutschland so viel wie in kaum einem anderen Land. Richtig ist aber auch: Das größte Land des Euro-Raums ist nicht mehr Lohnspitzenreiter. Zu dem Widerspruch führt eine unterschiedliche Abgrenzungssystematik der Arbeitskosten für internationale Lohnkostenvergleiche.

Wie viel Arbeit in Deutschland koste, sei „bisher überschätzt“ worden, dieses Fazit zieht das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in einer aktuellen Studie. IMK-Berechnungen ergeben: 2004 zahlten deutsche Arbeitgeber 26,22 Euro im Schnitt pro Stunde und damit deutlich weniger als Arbeitgeber in Skandinavien oder Beneluxländern. „Die Zahlen lassen die These abwegig erscheinen, Deutschland habe auf Grund zu hoher Arbeitskosten Wettbewerbsprobleme auf den Weltmärkten oder auf den heimischen Absatzmärkten“, schlussfolgert IMK-Direktor Gustav Horn.

Genau in diesem Punkt widerspricht das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Obwohl die Löhne jahrelang hier zu Lande nur moderat gestiegen sind, ist Arbeit in Deutschland nach wie vor so teuer wie in fast keinem anderen Land, ergab eine IW-Studie bereits im Frühjahr. Das Kölner IW betrachtet nicht wie das IMK die Gesamtwirtschaft, sondern rückt das verarbeitende Gewerbe in den Fokus. Zwar macht die Industrie an der Gesamtwirtschaft mit etwa einem Viertel nur einen relativ geringen Teil aus – aber über den Außenhandel finde der internationale Standortwettbewerb statt, begründet das IW. 2005 waren knapp 90 Prozent aller deutschen Exporte Industriegüter. Selbst, wenn man die Kosten von Zulieferern wie unternehmensnahen Dienstleistern und Händlern mit betrachte, bleibe Deutschland mit am teuersten.

Wie kostspielig deutsche Facharbeiter verglichen mit Dienstleistern sind, zeigt ein getrenntes Ranking beider Sektoren: Während in der Industrie nur in Belgien die Arbeit mehr kostet als in Deutschland, liegt die Bundesrepublik im Servicesektor im Mittelfeld.

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