strukturierte Wertpapiere
EZB überprüft ihre Refinanzierungsregeln

Die Anforderungen an die als Sicherheit akzeptierten Anleihen könnten steigen, besonders die in Verruf geratenen ABS stehen zur Diskussion. Diese werden zur Zeit massenweise bei der EZB hinterlegt. Experten befürchten massive Belastungen für die Märkte.

FRANKFURT. In der Europäischen Zentralbank (EZB), zeichnet sich eine Diskussion über die Akzeptanz von strukturierten Wertpapieren ab. EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel González-Páramo hat eingeräumt, dass die Notenbank über Änderungen ihrer Refinanzierungsregeln nachdenkt. Dabei geht es darum, welche Wertpapiere die Banken zu welchen Konditionen bei der EZB als Sicherheit für Kredite von der Zentralbank hinterlegen können. Im Fokus stehen mit Forderungen unterlegte verbriefte Anleihen (Asset Backed Securities, ABS), die im Zuge der Subprime-Krise in Verruf geraten sind.

"Falls die EZB die Anforderungen an ABS verschärft, könne dies den Markt belasten", sagte Karsten Backhaus, Analyst für strukturierte Wertpapiere bei der Landesbank Baden-Württemberg. Der Grund: Wenn die EZB weniger neue ABS als Sicherheiten akzeptiere oder die Linien für bereits eingerichtete Papiere nicht verlängere, wären die Banken gezwungen, diese am Primärmarkt zu platzieren. "Dem würde die Nachfrage derzeit wohl nicht standhalten", fürchtet Backhaus.

Die EZB akzeptiert die mit Top-Ratings versehenen oberen Tranchen der ABS schon lange als Sicherheit. Die Ratingmodelle sind aber in die Kritik geraten, weil viele ABS und andere strukturierte Produkte, die mit schwachen US-Hypotheken-Krediten aus der Subprime-Kategorie besichert waren, lange Zeit Spitzenratings hatten. Im Zuge der Subprime-Krise haben die Ratingagenturen bereits entsprechende strukturierte Wertpapiere über viele hundert Milliarden Dollar herabgestuft.

Bei der amerikanischen und der britischen Notenbank können Banken erst seit dem Frühjahr ABS mit Spitzenratings einreichen. Im Gegenzug für die besicherten Papiere stellen ihnen die Federal Reserve und die Bank of England liquide Staatspapiere zur Verfügung. Dabei nehmen sie den Banken die besicherten Papiere aber nur mit Abschlägen ab. So stellen sie laut Analysten sicher, dass nur die Banken ABS einreichen, die wirklich Geld brauchen.

In Europa reichten die Banken rund 90 Prozent aller in diesem Jahr neu aufgelegten ABS an die EZB weiter oder behielten sie selber ein. Besonders aktiv waren dabei dem Vernehmen nach spanische Banken.

Die Banken brauchen Kredite von der Zentralbank, weil sie einen Prozentsatz der Kundeneinlagen, die sie hereinnehmen, als sogenannte Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Das geht in Form von Bargeld oder als Guthaben bei der Notenbank. Um als Kredit ein Guthaben bei der Zentralbank zu bekommen, müssen die Banken Sicherheiten hinterlegen.

Für die EZB bedeutet das, dass der Anteil der möglicherweise verhältnismäßig riskanten Papiere in ihrem Besitz steigt. Das würde dann relevant, wenn ein Einreicher zahlungsunfähig würde und die Papiere nicht so viel Wert wären, wie die damit besicherten Kredite. Nach Angaben von González-Páramo ist der Anteil der ABS-Papiere von sechs Prozent im Jahr 2005 inzwischen auf 16 Prozent gestiegen.

Insgesamt wurden laut HSBC seit Januar neue ABS über knapp 113 Mrd. Euro aufgelegt und damit nur in etwa halb so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Die Subprime-Krise brachte den gesamten ABS-Markt zeitweise zum Erliegen. Die Risikoprämien schnellten nach oben. Zuletzt sind sie zwar von ihren Hochs deutlich gesunken, aber nach wie vor fehlen die Käufer am ABS-Markt. Deshalb gelten die Preise und Risikoprämien im Handel als nicht sonderlich verlässlich. Dieses schwache Umfeld hält Banken davon ab, neue ABS öffentlich zu platzieren.

Zu den wenigen strukturierten Papieren, die an Investoren wie Fonds und Versicherer verkauft wurden, gehörte vor zwei Wochen eine mit Hypothekenkrediten unterlegte ABS des britischen Hypothekenfinanzierers HBOS. Das von der Zweckgesellschaft "Permanent Master" emittierte Papier hatte ein Volumen von 500 Mill. Pfund. Die Tranche mit dem Top-Rating "AAA" bot einen Aufschlag von 0,85 Prozentpunkten über dem Interbankensatz Libor. Vor dem Ausbruch der Subprime-Krise lagen die Aufschläge für solche Papiere bei nur 0,1 bis 0,15 Prozentpunkten.

Die EZB werde weiterhin die Sicherheiten genau analysieren, die sie hereinnehme und dafür sorgen, dass die dafür geltenden Regeln strikt eingehalten werden, sagte González-Páramo bei einer ABS-Konferenz in Cannes. Das relativ breite Spektrum an Wertpapieren, das die EZB als Sicherheiten akzeptiere, habe zu Stabilität der Finanzmärkte beigetragen, sagte er, und fügte hinzu: "Das bedeutet nicht, dass es keinen Raum für weitere Verbesserungen und Adjustierungen in der Zukunft gibt."

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