Studie
BRIC-Staaten holen bei Wettbewerbsfähigkeit auf

Ein Staatenvergleich zeigt, was viele bereits wissen: Die Schwellenländer holen auf. Die Schweiz behauptet den ersten Platz im Ranking, trotz aller Währungsproblemen. Und: Deutschland fällt zurück.
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Der diesjährige Global Competitiveness Report ist ein Spiegelbild der weltwirtschaftlichen Gewichtsverlagerung: Die USA büßen weiter an Wettbewerbsfähigkeit ein, während die BRIC-Länder gegenüber den Industrienationen aufholen. Deutschland fällt einen Rang zurück, bleibt aber – was den Punktwert angeht – stabil.

Der Nummer Eins in Sachen Wettbewerbsfähigkeit kann auch in diesem Jahr keiner etwas vormachen. Die Schweiz belegt zum dritten Mal in Folge den ersten Rang des Global Competitiveness Reports 2011, den das World Economic Forum heute vorstellte. Der Insel der wirtschaftlichen Glückseligkeit kann auch der starke Schweizer Franken nichts anhaben, denn die etwas schlechter eingeschätzte wirtschaftliche Lage wird durch die anderen Komponenten, wie die hohe Innovationsfreude und die exzellente Infrastruktur, mehr als ausgeglichen, sodass die Schweizer Wirtschaft immer noch die wettbewerbsfähigste der Welt ist.

Auf den nachfolgenden Plätzen geht es spannender zu: Die USA, die die Rangliste noch bis 2008 anführten, fielen noch einmal zurück und liegen nun auf Platz 5. Die Wirtschaft habe das Vertrauen in politische Institutionen und Politiker verloren, so die Autoren des Reports. Sie bemängeln vor allem die zunehmende Regulierung und die ausufernde Staatsverschuldung. Beim Kriterium „makroökonomische Stabilität“ belegen die USA nur Platz 90 der insgesamt 142 untersuchten Nationen. „Trotz der Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung dürfen Politiker die langfristige Wettbewerbsfähigkeit aus den Augen verlieren“, mahnt deshalb Xavier Sala-i-Martin, VWL-Professor an der Columbia University in den USA und Ko-Autor der Studie. Nur wenn die Industrieländer ihre Defizite in den Griff bekämen und die Wettbewerbsfähigkeit verbesserten, könne eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung eintreten.

Die Schwellenländer kennen diese Probleme nicht. Hier brummt die Wirtschaft noch. Die BRIC-Staaten setzten dementsprechend ihre Aufholjagd gegenüber den OECD-Ländern im Sog ihres stärksten Mitglieds China (Platz 26) weiter fort. Das bevölkerungsreichste Land der Erde machte insbesondere Fortschritte in Bereichen, durch die sich hochentwickelte Länder auszeichnen. So gewann das Land bei der Innovationskraft und auch das Bildungssystem wurde etwas besser bewertet als noch im vergangenen Jahr. China ist damit auf dem besten Weg seine Produktivität zu steigern, was Ökonom Sali-i-Martin als eine der wichtigsten Herausforderung der Schwellenländer identifizierte. Indiens Wirtschaft büßte dagegen an Wettbewerbsfähigkeit ein und könnte somit im Kampf um ausländische Investoren weiter an Boden gegenüber Konkurrent China verlieren.

Deutschland fiel zwar einen Platz auf Rang 6 zurück, konnte seine gute Punktbewertung aber halten. Während die Infrastruktur und die Innovationskraft gut bewertet wurden, kam der deutsche Arbeitsmarkt wieder einmal schlecht weg. Die Autoren beanstanden schon seit Jahren eine angeblich mangelnde Flexibilität, die das Entstehen neuer Jobs verhindere. Die aktuell guten Zahlen vom Arbeitsmarkt und die Erfahrungen, die während der Finanzkrise mit Kurzarbeit gemacht wurden, widerlegen diese Einschätzung jedoch.

Seit 2004 berechnet das World Economic Forum, eine unabhängige Organisation mit Sitz in Genf, jährlich den Global Competitiveness Index, der sich aus zwölf Kategorien zusammensetzt und in einer Rangliste aggregiert dargestellt wird. Hierzu werden weltweit 14.000 Wirtschaftsführer in 142 Staaten befragt.

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