Studie der Deka-Bank
Die Deutschen arbeiten zu wenig

Nach dem unklaren Wahlergebnis wächst bei Ökonomen die Sorge vor einem Reformstillstand in Deutschland.

pbp DÜSSELDORF. „Wir können es uns nicht leisten, paralysiert vom politischen Patt in Reformstarre zu verfallen“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Das Institut hat in einer Studie mit dem Titel „Einblicke in die deutsche Wachstumsmisere“ 16 Faktoren untersucht, die für Wachstum verantwortlich sind. Das enttäuschende Ergebnis: Im Vergleich mit den übrigen 20 OECD-Staaten schneidet Deutschland schlecht ab (siehe Tabelle „Wachstumsfaktoren“). Hier zu Lande ist Arbeit zu teuer, sind die Steuern zu hoch – dagegen die Investitionen in Informationstechnologie und Bildung zu niedrig.

» Tabelle: Wachstumsfaktoren

Folglich sei es kein Wunder, dass die deutsche Volkswirtschaft in den vergangenen vier Jahren deutlich schwächer gewachsen ist als andere westliche Industrienationen, so die Deka-Bank. Beim OECD-weiten Vergleich des Potenzialwachstums belegt Deutschland nur den viertletzten Platz. Seit fast dreieinhalb Jahrzehnten bremse der Faktor Arbeit das Wachstum. Die übrigen Wachstumsfaktoren, Kapital und technischer Fortschritt, tragen zwar zum Wachstum bei, allerdings in immer geringerem Maße.

Eher positiv gefärbte Berichte zum Standort Deutschland – wie etwa den Ende August veröffentlichten Artikel des britischen Wirtschaftsmagazins „Economist“ – hält Kater für nicht zutreffend: „Der Bericht ging nur auf einige wenige Standortfaktoren ein“, kritisiert er. Tatsächlich hatte sich das Magazin auf die hoffnungsvollen Tendenzen konzentriert und andere Faktoren ausgeblendet: Lob gab es für die Agenda 2010, insbesondere für Hartz IV, für die Lockerung des Flächentarifvertrages und die schrumpfende Macht der Gewerkschaften sowie für die in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich rückläufigen Lohnstückkosten.

Fakt ist: Seit Mitte der 90er-Jahre sind die Lohnstückkosten in Deutschland jeweils im Vergleich zum Vorjahr gesunken, wie auch Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen. Allerdings ist das Niveau immer noch vergleichsweise hoch. Eine Arbeitsstunde kostete im vergangenen Jahr in Westdeutschland 27,60 Euro. Nur in Dänemark waren Arbeitskräfte noch teurer. Das stand nicht im „Economist“.

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