Studie der Deutschen Bank zu Potenzialwachstum
Druck auf Staatshaushalte könnte sich erhöhen

Nach Meinung von Analysten der Deutschen Bank könnte sich das Potenzialwachstum in der Eurozone in diesem Jahrezehnt abschgwächen. Das bedeute, dass sich der Druck zur Konsolidierung der Staatshaushalte noch erhöhen könnte.

HB FRANKFURT. „Das Drei-Prozent-Kriterium ist eigentlich schon zu großzügig für das niedrigere Potenzialwachstum - wer es verletzt, riskiert die finanzpolitische Stabilität noch stärker als bisher gedacht“, sagte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach mehreren Analysen kommt die Deutsche Bank zu dem Schluss, dass die Rate, mit der die Wirtschaft ohne übermäßige Inflation wachsen kann, im Euroraum auf durchschnittlich 1,75 Prozent von 2,2 Prozent in den 90er Jahren sinkt. Sollte der Schuldenstand wie im Vertrag von Maastricht und dem Stabilitätspakt festgeschrieben auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung beschränkt werden, müsste die jährliche Neuverschuldung eher unter zwei als unter drei Prozent gehalten werden.

Grund für das niedrigere Potenzial- oder Trendwachstum sind nach Erkenntnissen der Deutsche-Bank-Analysten die geringeren Wachstumsraten der kombinierten Produktivität von Kapital und Arbeit. Statt bei 0,9 Prozent wie in den 90er Jahren werde diese über die kommenden Jahre nur noch bei 0,6 Prozent liegen. Eine Annahme war, dass mit Arbeitsmarktreformen die Produktivität der Arbeit steigen werde. „Das ist noch eine optimistische Prognose. Wenn die Reformen scheitern sollten, wären nur 1,50 Prozent Trendwachstum zu erwarten“, sagte Mayer. Das potenziell mögliche inflationsfreie Wachstum kann, auch rückwirkend, allerdings immer nur geschätzt werden. Die EZB taxiert es für die Euro-Zone auf 2,0 bis 2,5 Prozent.

Niedrigeres Potenzialwachstum hätte spürbare Folgen für die Geldpolitik der EZB, sagte der weithin anerkannte EZB-Beobachter Mayer. Sobald das tatsächliche Wachstum das Trendwachstum überschreitet, überhitzt sich die Konjunktur und die Preise steigen. „Die EZB würde schneller auf das Wachstum mit Zinserhöhungen reagieren.“

Ein Potenzialwachstum von 2,50 Prozent liegt Mayer zufolge zudem den Grenzwerten für die Staatsverschuldung im EU-Vertragswerk zu Grunde. Rein rechnerisch wäre bei niedrigerem Wachstum eine Gesamtverschuldung unter 60 Prozent nur bei zwei Prozent Defizitgrenze zu gewährleisten. Dass die Schwellenwerte des Maastrichter Vertrages auf lange Sicht geändert würden, wenn die niedrigere Wachstumsschätzung Beachtung fände, kann sich Mayer nicht vorstellen. Doch sei dies ein weiteres Argument für ein striktes Einhalten der Vorgaben und Sanktionsmechanismen des Paktes. Angesichts der hohen Neuverschuldung in den großen Mitgliedsländern Deutschland und Frankreich sagt die Deutsche Bank für die Euro-Zone 2004 ein durchschnittliches Defizit von 2,4 Prozent voraus bei einem Schuldenstand von gut 70 Prozent.

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