Studie der Hypo-Vereinsbank widerlegt Vorurteil
Kein Konsumstau - Deutsche geben zu viel aus

Die Deutschen sind verunsichert, sie drehen jeden Euro zwei Mal um, bevor sie ihn ausgeben. So lautet zumindest das gängige Vorurteil. „Angstsparen“ nennt beispielsweise Finanzminister Hans Eichel (SPD) das vermeintlich real existierende Phänomen. Deutschland habe eine ganz eigene, pessimistische Psychologie, sagt Eichel. Mit dieser Analyse befindet er sich in guter Gesellschaft.

HB DÜSSELDORF. „Eine große Vertrauenskrise hat den Konsum in Griff“, meint auch Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). „Einige Kaufentscheidungen wurden aufgeschoben“, sagt Pellengahr. Wer so argumentiert, unterstellt, dass sich eine Art Konsum- stau gebildet habe.

Andreas Rees, Volkswirt bei der Hypo-Vereinsbank, hat das Phänomen analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Es gibt keine Anzeichen für einen Konsumstau in Deutschland. Schlimmer noch, das Gegenteil sei der Fall. Die Deutschen haben seit 1997 über ihre Verhältnisse gelebt. Erst seit Beginn dieses Jahres sei diese Periode zu Ende gegangen.

Verfügbares Einkommen steigt nur marginal

Der Diagnose von Rees liegt eine einfache Rechnung zu Grunde: Zunächst hat er vier Faktoren, die aus seiner Sicht maßgeblich für die Höhe der Konsumausgaben verantwortlich sind, identifiziert: Die Entwicklung des verfügbaren Einkommens, des Vermögens sowie die Veränderung von Arbeitslosigkeit und Inflation. Dann hat er die theoretisch angemessene Höhe des privaten Konsums mit dem tatsächlichen privaten Verbrauch verglichen, der seit Anfang 2002 auf der Stelle tritt.

Das Ergebnis: „In Relation zur Entwicklung der realen Daten hätten die Deutschen in den Vergangenen sieben Jahren sogar noch weniger ausgeben dürfen“, sagt Rees. Denn die verfügbaren Einkommen verharren seit zwei Jahren auf nahezu unverändertem Niveau, die Arbeitslosigkeit ist dauerhaft hoch, die Preise am Immobilienmarkt stagnieren seit Mitte der 90er Jahre und die Teuerung dümpelt vor sich hin, vom jüngsten Anstieg im Zuge der Verteuerung von Energie abgesehen.

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