Studie
IWF: Krisenprogramme nicht einstellen

Bloß kein Ausstieg aus den Konjunkturprogrammen – das hat der Internationale Währungsfonds (IWF) gefordert. Der Fonds warnte die Regierungen davor, sich bereits jetzt aus den gigantischen Hilfsaktionen im Kampf gegen die Finanzkrise zurückzuziehen.
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HB WASHINGTON. Es gebe Belege dafür, dass die Maßnahmen Wirkung zeigten, sagte IWF-Ökonomin Laura Kodres am Montag in Washington. „Wir raten nicht dazu, sich zum jetzigen Zeitpunkt davon zu verabschieden.“ Die milliardenschweren Interventionen rund um den Globus hätten sich kurzfristig als wirksames Mittel gegen die um sich greifende Panik an den Märkten erwiesen, heißt es in einer Studie des Fonds. Mit Blick auf die längerfristige Wirkung der Nothilfen hieß es, ein Urteil stehe noch aus. Mittlerweile habe aber die Kreditvergabe wieder Fahrt aufgenommen.

„Die Reaktion der Regierungen waren schnell und zu einem gewissen Maß effektiv, um die Finanzmärkte zu beruhigen und ihre Funktionstüchtigkeit wiederherzustellen“, hieß es in der Studie, die Teil des IWF-Berichts über die Stabilität der globalen Finanzmärkte ist. In der frühen Phase der Krise hätten sich Ankündigungen über Liquiditätshilfen als wirksam im Kampf gegen Panik erwiesen. Später habe sich dann die Aussicht auf frisches Kapital für Banken und auf den staatlichen Ankauf notleidender Vermögenswerte als nützliche Beruhigungspille für die taumelnden Märkte herausgestellt.

Mit Blick auf den anstehenden Ausstieg aus den staatlichen Hilfen rät der IWF, deutlich zu kommunizieren, wann und auf welche Weise Regierungen sich zurückziehen wollten. Die Länder müssten ihre Schritte untereinander koordinieren, um Marktverzerrungen zu verhindern. Voraussetzung für den Beginn eines Ausstieges sei aber, dass wieder ausreichendes Vertrauen in die Gesundheit des Finanzsystems hergestellt sei, unterstrich der Währungsfonds.

IWF und Weltbank kommen Anfang Oktober in Istanbul zu ihrer Jahrestagung zusammen. Dabei wird es vor allem um den weiteren Weg aus der Wirtschaftskrise gehen. Auch die Reform des Währungsfonds steht bei dem Treffen auf der Tagesordnung weit oben. Bei der Konferenz, zu der 13 000 Teilnehmer erwartet werden, wird der vollständige Bericht über die Stabilität der globalen Finanzmärkte vorgelegt, wie auch der jüngste Weltwirtschaftsausblick des Fonds.

Die US-Konjunkturindikatoren signalisieren unterdessen eine Erholung der US-Wirtschaft. Die Frühindikatoren stiegen im August auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Das teilte das Forschungsinstitut Conference Board mit. Das Barometer legte 0,6 Prozent auf 102,5 Punkte zu, das ist der höchste Stand seit Januar 2008 und der fünfte Anstieg in Folge. Die Börsen reagierten kaum auf die Daten. Zwar lag das Ergebnis leicht unter den Erwartungen des Marktes, doch korrigierte das Institut das Vormonatsergebnis deutlich nach oben auf jetzt 0,9 Prozent. „Das signalisiert, dass die Rezession ihren Boden findet“, sagte Conference-Board-Volkswirt Ken Goldstein. Der Index notiert nun 1,9 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Zur Verbesserung im August hätten vor allem die Komponenten Lieferzeiten, Aktienkurse und Zinsstruktur beigetragen, erläuterte Fabienne Riefer von der Postbank. Auch die Baubeginne und die Verbrauchererwartungen stützten den Index. Dennoch befinde sich die größte Volkswirtschaft der Welt nach wie vor in der Rezession, schreiben die Volkswirte des Instituts der deutschen Wirtschaft. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent dieses Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukte 2010 um etwa 1,5 Prozent wachsen.

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