Studie
OECD: Krise trifft Afrika heftig – aber kurz

Viele Länder Afrikas werden die Wirtschaftskrise schnell überwinden, lautet das Fazit einer Studie der OECD. Die Industriestaaten haben ihre Entwicklungshilfe nicht zurückgefahren, gleichzeitig bleiben die Direktinvestionen auf einem stabilen Niveau. Besonders aktiv ist China.

BERLIN. Die Weltwirtschaftskrise trifft auch Afrika heftig, viele Länder des Kontinents können sie aber relativ schnell überwinden. Dieses Fazit zieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem "Wirtschaftsausblick Afrika 2009". Die Organisation begründet ihren Optimismus damit, dass die Industriestaaten ihre Entwicklungshilfe nicht zurückgefahren haben. Auch die Direktinvestitionen seien erstaunlich stabil geblieben: Vor allem China habe weiter viel Geld in die Infrastruktur afrikanischer Länder gesteckt.

Die Volkswirtschaften Afrikas werden in diesem Jahr um 2,8 Prozent wachsen, prognostiziert die OECD. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht von drei Prozent Plus aus. Damit würde die Wachstumsrate gegenüber dem Schnitt der Vorjahre mehr als halbiert. Die ärmsten Länder des Kontinents könnten deshalb noch stärker auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein. Auch bei der Armutsbekämpfung erwartet die OECD Rückschläge: So werde es in weniger als der Hälfte der afrikanischen Länder gelingen, bis 2015 die Zahl der Armen zu halbieren. Als arm gilt, wer weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung hat.

In diesem Jahr werden nach Einschätzung der OECD vor allem die Überweisungen von Auswanderern an ihre Familien in Afrika deutlich sinken. Sie hatten im Jahr 2008 mit 20 Mrd. Euro ein ähnlich hohes Niveau erreicht wie die direkten Entwicklungshilfezahlungen. Auch leidet Afrika unter dem Preisanstieg für Nahrungsmittel im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sind die Preise für diejenigen Rohstoffe, die in der Industrie eine Rolle spielen, eingebrochen. Erstmals leiden daher die Ölexporteure stärker unter einer Krise als die Ölimporteure. Während die Preise für Kakao und Baumwolle stabil bleiben und der Goldpreis sogar steigt, sind die Preise für Kupfer und Aluminium eingebrochen. Westafrika werde daher weniger stark zurückgeworfen als ein Ölstaat wie Angola: Das Land stürzt von einem Wachstum von 16 Prozent im vergangenen Jahr in eine Rezession von minus sieben Prozent.

Bereits 2010 soll sich Afrika mit 4,5 Prozent Wachstum wieder deutlich erholen. Die OECD bescheinigt dem Kontinent, durch Wirtschaftsreformen in vielen Ländern die Krise besser meistern zu können, als dies noch vor zehn Jahren der Fall gewesen wäre. Der Schuldenerlass für die ärmsten Länder helfe vielerorts, staatliche Sparprogramme zu vermeiden: Der Ausbau der Bildungs- und Gesundheitssektoren müsse daher nicht ins Stocken geraten.

Die schnelle Erholung ab 2010 steht allerdings unter einem entscheidenden Vorbehalt: Dass sich der Welthandel im kommenden Jahr stabilisiert und die Nachfrage der Industrie nach Rohstoffen wieder wächst.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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