Studie: Schuldenstaaten rutschen immer tiefer in den Krisenstrudel

Studie
Schuldenstaaten rutschen immer tiefer in den Krisenstrudel

Trotz der erheblichen Sparbemühungen sinken die Aussichten, dass Südeuropas Krisenstaaten je wieder auf eigenen Füßen stehen können.
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Frankfurt/Athen/London/MadridZu Beginn der womöglich alles entscheidenden Phase für die Zukunft des Euros hat das Centrum für Europäische Politik (CEP) ein düsteres Bild der südeuropäischen Krisenstaaten gezeichnet. Die Chancen, dass Portugal, Italien, Griechenland und Spanien (PIGS) dauerhaft ihre Auslandsschulden begleichen können, seien schlecht, heißt es in einer neuen Analyse der CEP-Volkswirte. Der eigens dafür entwickelte CEP-Default-Index sei weiter gesunken, heißt es in der neuen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt.

Am Freitag treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel, um das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Euro-Krise zu beraten. Auslöser der Krise waren Zweifel der Finanzmärkte, dass Griechenland dauerhaft seine Schulden begleichen könne. Infolgedessen gerieten weitere Länder in eine Abwärtsspirale: Das Vertrauen der Märkte sank, die Zinsen stiegen, und damit erhöhten sich wiederum die Zweifel an der Bonität - und diese Zweifel sind berechtigt.

Insbesondere Griechenland fällt in der Studie immer weiter zurück. Der CEP-Default-Index hat sich von minus 9,9 Punkten 2010 auf minus 12,2 im ersten Halbjahr 2011 verschlechtert. Während die Kapitalimporte etwas zurückgingen, begann der Kapitalstock wegen der tiefen Wirtschaftskrise zu schrumpfen. Das im Ausland geliehene Geld wird damit "vollständig für den heimischen Konsum verwendet", warnt das CEP. Auch in Portugal schrumpfte der Kapitalstock im ersten Halbjahr erstmals; der Index sank von minus 7,5 auf minus 8,2 Punkte. Italien kämpft ebenfalls gegen die Abwärtsspirale; hier sank der Index von minus 1,5 auf 2,5 Punkte, weil die Kapitalimporte stiegen. Nur noch in Spanien blieb der Index im positiven Bereich, weil das Land mehr Kapital investierte, als es importierte.

Das CEP ist der europapolitische Think-Tank der "Stiftung Ordnungspolitik". Der Ökonom Lüder Gerken und sein Team analysieren ökonomische Vorhaben der EU und entwickeln Strategien für die europäische Politik. Der CEP-Index setzt sich aus dem gesamtwirtschaftlichen Finanzierungssaldo eines Landes und aus dem Niveau der kapazitätssteigernden Investitionen zusammen.

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  • Wer hat was davon, wenn man keine Lösung findet??
    Das sind die gleichen, welche den Euro wollten: Hochfinanz, Großindustrie und daran partizpierende Politiker!

    Der deutsche Steuerzahler ist nur zum Bezahlen gut.

  • Die Verwirrung ist so groß und allgemein, weil ständig zwei Probleme vermengt werden. Das eine ist die internationale Überschuldung der PIIGS-Staaten, das andere ist die verlorene Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten. Beide Probleme sind Hand in Hand gewachsen und daher heute so schwer zu trennen.
    Zum ersten: die PIIGS-Staatsanleihen sind inzwischen am Markt auf ein annähernd realistisches Niveau abgewertet, der Schaden für die Gläubiger damit überschaubar und beherrschbar, d.h. bilanziell verkraftbar. Das ist nicht schön, aber eben die Konsequenz, wenn man sein Geld leichtsinnig verleiht. Aus Schaden werden die Banken hoffentlich klüger.
    Zum zweiten: Innerhalb der Euro-Zone kommen einige der PIIGS in absehbarer Zeit nicht mehr auf die Beine, da selbst rigoroses Sparen hier nichts mehr daran ändert. Hier sollte sich die Politik endlich darauf konzentrieren, diesen Staaten einen vorübergehenden Urlaub aus der Euro-Zone zu gewähren, ohne daß sie die EU-Mitgliedschaft als solche verlieren. Das wäre wesentlich realistischer als eine Wirtschaftsunion zu konzipieren. Die dann mögliche Einführung einer Nationalwährung wird dann die Rückkehr zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft gestatten. Das kann zwar dauern, aber die Chance ist gegeben.
    Für den Euro ist es ohne Bedeutung, ob 8 oder 10 Länder ihn verwenden.

  • Das Gelbe Forum erinnert an die Aktion im HB vom Mai 2010:
    "Wir kaufen griechische Staatsanleihen!"

    Hier der Chart, was daraus geworden ist:
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=242514

    Man sollte sich niemals auf Propaganda verlassen!
    Das ist wie: Gold gab ich für Eisen!

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