Studien richtig lesen
Wie die Zahlen vergleichbar werden

Die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa lesen sich erschreckend. Laut einer OECD-Studie hat jeder zweite Jugendliche zwischen 15 und 24 keinen Job. Doch wie aussagekräftig sind diese Studien wirklich?
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DüsseldorfDass das Niveau der Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland (55,26 Prozent), Spanien (53,16 Prozent) und auch Portugal (37,67 Prozent) auf einem erschreckend hohen Niveau liegt, ist nicht zu bestreiten. Die Aussage, dass jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, muss aber eingeschränkt werden. Gruppen wie Studenten werden per Definition nicht als arbeitslos erfasst und gerade in Griechenland, Spanien und Portugal liegt der Anteil der an der Universität eingeschriebenen jungen Menschen deutlich über dem deutschen Niveau. Im Schnitt studieren fast 50 Prozent der Jugendlichen aus Griechenland, Spanien und Portugal. Die deutsche Quote liegt bei nur 34 Prozent.

In der Altersklasse der 25- bis 29-jährigen entspannt sich die Lage leicht: Die Arbeitslosenquote liegt in den Krisenländern zwar rund 20 Prozent unter der der 15- bis 24-jährigen aber immer noch deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 13,47 Prozent.

Die OECD-Studie ermöglicht es, nationale Arbeitsmärkte miteinander zu vergleichen und die Besonderheiten der Länder zu erkennen. Im Fall der Jugendarbeitslosigkeit werden die strukturellen Probleme der südeuropäischen Länder deutlich. Dazu greift die OECD auf die standardisierte Definition der Arbeitslosigkeit gemäß der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zurück. Die ILO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und definiert Arbeitslosigkeit folgendermaßen: Die Person steht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, geht keiner Arbeit nach und bemüht sich „aktiv“ um eine Stelle. Als aktiv wird dabei die Bewerbung auf Stellenanzeigen, der Besuch von Fabriken, Baustellen und anderen Arbeitsstätten sowie die Aufgabe von Stellengesuchen in Zeitungen und die Registrierung bei den Arbeitsämtern bezeichnet.

Jugendarbeitslosigkeit

Jugendarbeitslosenquote in ausgewählten Ländern Europas nach Altersgruppen

in Prozent


Auf der Basis dieser Definition erfolgt dann eine Bevölkerungsbefragung in den jeweiligen Ländern. In Deutschland werden diese Daten durch den Mikrozensus erfasst. Die von der OECD veröffentlichten Daten sind somit auf internationaler Ebene vergleichbar, da die Erhebungsmethodik und die Definition der Arbeitslosigkeit über die Lände hinweg standardisiert wurde.

Davon abzugrenzen sind nationale Statistiken zur Arbeitslosigkeit wie die der Bundesagentur für Arbeit. Nationalen Statistiken liegen andere und über die Ländereben hinweg auch unterschiedliche Definitionen von Arbeitslosigkeit zugrunde, was eine Vergleichbarkeit per se ausschließt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die von der Bundesagentur für Arbeit ausgewiesene Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bei rund sechs Prozent liegt – wohingegen die OECD eine Quote von acht Prozent veranschlagt.

Annika Reinert
Sabine Bernard
Handelsblatt / Praktikantin

Kommentare zu " Studien richtig lesen: Wie die Zahlen vergleichbar werden"

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  • 53% der jungen Spanier sind arbeitslos, ca. 50% studieren. Das bedeutet dann wohl, dass praktisch keiner aus dieser Altersgruppe eine Arbeit hat?

  • ...ist bekannt, liebes HB, hat der Spiegel bereits schon vor ca. 4 Wochen gebracht ! Nicht immer alles abschreiben ! Aber wie wir alle wissen, wird die Statistik permanent missbraucht, insbesondere von Zeitungen und Politiker.

  • Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!

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