Subprime-Krise
Bundesbank sieht kein Ende der Finanzkrise

Für die Bundesbank ist die Finanzkrise nicht ausgestanden. "Wir sind noch im Tunnel; der Weg hinaus wird noch einige Zeit dauern und wird von Phasen schlechter Nachrichten unterbrochen sein", sagte Bundesbank-Vizepräsident Franz Christoph Zeitler beim diesjährigen Bundesbank Symposium zum Thema "Bankenaufsicht im Dialog".

FRANKFURT. Zeitlers Äußerungen fallen in eine Phase, in der mit der US-Investmentbank Lehman Brothers und der britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley weitere Kreditinstitute für schlechte Nachrichten sorgen.

Es wäre eine "gefährliche Illusion", aufgrund einiger Signale der Zuversicht zur Tagesordnung überzugehen, warnte der Bundesbank-Vize. Speziell am Geldmarkt zeigten die hohen Zinsdifferenzen zwischen besicherten und nicht besicherten Ausleihungen, dass das Vertrauen in die Liquidität der Märkte noch nicht gefestigt sei. Die Verbriefungsmärkte seien zum Teil stark geschrumpft und weiterhin anfällig.

Vor allem aber hat laut Zeitler der Auslöser der Krise, der US-Immobilienmarkt, noch keinen Boden gefunden. Viele anfangs niedrig verzinsten Subprime-Kredite kämen im Laufe dieses Jahres in die normale Verzinsung. Es bleibe abzuwarten, inwieweit die in den USA ergriffenen Gegenmaßnahmen Wirkung zeigten.

Die Situation in potenziellen Ansteckungsbereichen bleibe fragil. Das gilt etwa für die Versicherer für Kommunalkredite, den sogenannten US-Monoliner und damit für das gewaltige Volumen der von diesen Instituten versicherten Anleihen. Laut Bundesbank sind das 2,4 Bill. Dollar. Zudem setzten die nach wie vor hohen Refinanzierungskosten die Erträge der Kreditwirtschaft unter Druck, warnte Zeitler. Er sieht das Risiko, dass neue Marktwertverluste in den Problemportfolios der Institute entstehen.

Zeitler räumte ein, dass auch die Aufsichtsbehörden aus der Krise lernen müssten. Manche Annahmen im Basler Rahmenwerk und in den von der EU verabschiedeten Regeln zur Eigenmittelausstattung müssten im Licht der Krise überprüft werden. Die Vorschriften gegen Risikokonzentration bei Großkrediten seien zu präzisieren.

Michael Reuther, Vorstand der Commerzbank, und Lars Hille, Vorstand der DZ Bank, berichteten beide von einer vorsichtigen Belebung bei Verbriefungen. Am europäischen Markt für Asset Backed Securities könnte das Volumen 2008 wieder 200 Mrd. bis 240 Mrd. Euro erreichen, sagte Reuther. 2006 hatte es noch 480 Mrd. und im Jahr darauf 450 Mrd. Euro betragen.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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