Tag des Zinsentscheids

Bange Blicke auf EZB-Chef Draghi

Spanien erhält keine Kredite mehr und die Konjunktur im Euroraum bricht immer stärker ein. Jetzt ruhen viele Hoffnungen auf der Europäischen Zentralbank - und einer weiteren Senkung des Leitzinses. Der Druck ist groß.
52 Kommentare
Letzte Rettung EZB? Vor allem in den notleidenden Eurostaaten sind die Hoffnungen auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank groß.  - Quelle: dpa

Letzte Rettung EZB? Vor allem in den notleidenden Eurostaaten sind die Hoffnungen auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank groß.  -

(Foto: dpa)

Anleger und Volkswirte in aller Welt richten gespannt den Blick auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Möglicherweise macht die EZB am heutigen Mittwoch einen weiteren Schritt hin zu einer Senkung der Leitzinsen auf ein historisches Tief machen. Das erwarten Experten. Denn die Staatsschuldenkrise verschärft sich, und droht, das weltweite Wachstum zu bremsen.

Viele Beobachter halten es zwar auch für möglich, dass EZB-Präsident Mario Draghi keine Zinssenkung bekannt geben wird. Nach der Verschärfung der Eurokrise und dem Kursverfall an den Börsen wird ein solcher Schritt aber nicht mehr ausgeschlossen. Außerdem spekulieren die Experten, ob die Notenbanker auf anderem Wege Geld in das System pumpen werden.

Vorerst rechnet die Mehrheit der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Volkswirte damit, dass die EZB die Leitzinsen bei ihrem feiertagsbedingt vorgezogenen Treffen bei 1 Prozent unverändert belassen wird. Von 44 befragten Ökonomen sagen 32 keine Bewegung der Zentralbank voraus. Elf rechnen mit einem Zinsschnitt von einem viertel Prozentpunkt, und einer sogar mit einem Schnitt von einem halben Prozentpunkt.

Dass die EZB schon im Juni weitere Schritte ergreift, hält auch eine die Mehrheit von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten und Ökonomen für unwahrscheinlich. Die Begründung: Dafür sei es zu früh, weil die Euro-Zone mit den zweiten Wahlen in Griechenland Mitte Juni vor der entscheidenden Weichenstellung in der Krise stehe. Doch die Front bröckelt.

Angesichts der wachsenden Probleme in Spanien und der Spekulationen, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheiden könnte, nimmt der Druck auf die EZB erheblich zu, die Zinsen zu senken und weitere Liquiditätsmaßnahmen zur Unterstützung der Banken einzuleiten. Der Verbleib Griechenlands in der Währungsunion hängt vom Ausgang der Parlamentswahl am 17. Juni ab, die spanische Bank Bankia meldete zudem einen Kapitalbedarf von 19 Milliarden Euro bei der Regierung in Madrid an. Und selbst in wirtschaftlich so starken Ländern wie Deutschland deuten sich konjunkturelle Schwierigkeiten an, während der Gros der Eurozone unter schlechten Arbeitsmarktzahlen leidet.

Zudem dürfte die EZB ihre Wachstumsprognosen senken. Das könnte in den kommenden Monaten zusammen mit neuen Hiobsbotschaften aus den Problemländern der Euro-Zone als Argument für weitere Krisenmaßnahmen genutzt werden. Eine oder sogar mehrere Zinssenkungen könnten dann nur noch eine Frage der Zeit sein.

Die EZB hat Raum für Zinssenkungen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

52 Kommentare zu "Tag des Zinsentscheids: Bange Blicke auf EZB-Chef Draghi"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Und warum, weil Beamter oder Politiker diejenigen wären, die einbüssen müssten. Staatsausgaben runter und umlenken in die Privatwirtschaft, man sollte mal den Vorschlag in Brüssel vorlegen!

  • ...
    Es wird so getan, als ob Europa, insbesondere Deutschland daran Schuld wäre.

    Sie haben es richtig erkannt, wir waren auch entgegen historischer Beweise, die alleinigen Schuldigen für den WK1 und WK2.

    Ich habe das auch noch so gelernt bekommen, erst jetzt dank Recherche im Internet (keine Naziblätter) bin ich auf die wahren Geschichten und Zusammenhänge gestossen.

    Ich empfehle jeden mal die "Geständnisse" von Churchil zu lesen

  • zu 2 Bill Schulden, DE hat baer auch 5 Bill Privatvermögen (nicht schlecht und das Ziel der anglo-amerikanischen Hintermänner)

    was nützt Ihnen der Euro zuhause, wenn er gegen einen Amero zb. im Verhältnis 1:100 getauscht wird(nach der Bankenunion versteht sich)

    Ihr Geld // Papiergeld ist so oder so weg, es gibt nur eins für Sie ab in reale Werte...

  • zu 2 Bill Schulden, DE hat baer auch 5 Bill Privatvermögen (nicht schlecht und das Ziel der anglo-amerikanischen Hintermänner)

    was nützt Ihnen der Euro zuhause, wenn er gegen eien Amero zb. im Verhältnis 1:100 getauscht wird(nach der Bankenunion versteht sich)

    Ihr Geld // Papiergeld ist so oder so weg, es gibt nur eins für Sie ab in reale Werte...

  • Getränke, Bäcker, Lebensmittel sind seit Jahresanfang zwischen 5 und 10% teurer. Eigentlich wäre eine Zinserhöhung angesagt und keine nutzlosen, sinnlosen und geldverschleudernde Dauerrettungsversuche. Auch der ESM wird nur von kurzer Dauer sein, weil das Gundübel, das ständige Aufschulden, nicht angegangen wird.

  • Ja lustig, wenns nicht so traurig wär. Bei Frau Merkel heisst das gemeinsame Konto nicht Eurobonds sondern ESM. Unterschied: Vor dem Bankrott gibts nur noch eine Flasche Ouzo am Tag statt zwei.

  • Ja, noch bleibt Raum für weitere Zinssenkungen. Aber, was diese Maßnahme mit einem Fragezeichen versieht, ist die Wirksamkeit, die Zinssenkungen in der Vergangenheit hatten. Trotz Zinssenkungen und Flutung der Kapitalmärkte mit frischem Geld konnten ebendiese Märkte nicht beruhigt werden. Dies gilt im Übrigen ja nicht nur für Europa. Die USA stehen vor einem vergleichabaren Problem. Es muß also Frage erlaubt sein, ob eine Zinssenkung tatsächlich ein probates Mittel sein kann, oder ob es nicht allerhöchste Zeit für andere Maßnahmen ist. Und warum sollte sich die EZB ihrer letzten Ressorts berauben? Irgendwann kann es nicht mehr weiter nach unten gehen. Und Geld für umsonst wird es auch nie geben.

  • Wir können über die jetzige Regierung jammern, die sich nicht härter den europäischen Begehrlichkeiten entgegen-stemmt. Aber was ist die Alternative? Mit Rot-Grün hätten wir schon längst Eurobonds. Rot-Grün ist der Ansicht, europäische Solidarität gebiete die Dauersubvention der-jenigen, die (wie wir ja auch!) pausenlos über ihren Ver-hältnissen leben. Das System fährt gegen die Wand, aber dann ist wenigstens in den Augen der Wähler kein lebender Politiker "schuld" - sondern die Banken, die anderen, die EZB, etc.. Wer in Europa versucht, vernünftige Wirtschafts-politik zu machen, wird von den Wählern abgestraft, ist also in deren Augen "schuld". Kein einziger Wähler will hören, daß sich Europa seine Sozialsysteme schon längst nicht mehr leisten kann! Jeder Wähler hofft, ein anderer zahlt, und merkt nicht, daß ihm mit der einen Hand das Geld aus der Tasche gezogen wird, das ihm die andere teilweise (mit dem Rest wird der Beamtenapparat versorgt!) hineinstopft...Die Weltwirtschaft bricht ein, und bei uns werden die Löhne massiv erhöht. Die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt nächstes Jahr sind klar. Offenbar will die Regierung auf gar keinen Fall wiedergewählt werden.

  • Marco 99 hat doch absolut recht. Er beziffert sogar 10-20% EM. Alles in einen Pott ist NIE gut.
    Kommt eine Überraschung, z.B. goldgedeckter Nordeuro, dann sieht´s sofort nicht mehr so gut aus mit den EM in einer derartigen Währung.

  • Wenn der Privatsektor Schulden abbaut, weil er muss und weil er will, dann nützen niedrige Zinsen rein gar nichts. Dies ist eine Solvenz- und keine Liquiditätskrise!
    Noch niedrigere Zinsen erzeugen in Wahrheit das genaue Gegenteil. Die finanzielle Repression führt zu noch mehr Hortung sowie Sparanlage, während die negativen Zinsen im Zusammenhang mit Inflation bereits in "sicheren" Anlagen sogar einer Bestandssteuer gleichkommen.
    Was nützt? Was schon immer genützt hat, in einem solchen Fall: Staatsausgaben runter und das daraus Ersparte umgehend in die Privatwirtschaft umlenken auf beide Seiten, Nachfrage und Angebot. DAS ist auch mit Austerität im Sinne der Österreichischen Schule gemeint: NICHT in die Rezession hineinsparen, sondern Staatsquote runter und Privatwirtschaft im gleichen Umfang entlasten.
    Aber das erklären Sie mal einem Politiker oder Beamten...Sinnlos.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%