Tankan-Bericht
Eingetrübtes Geschäftsklima in Japan

Im ersten Quartal 2006 hat sich die Stimmung der großen japanischen Industrie-Konzerne erstmals seit einem Jahr überraschend wieder eingetrübt.

HB TOKIO. Der überraschende Rückgang des entsprechenden Indexes in dem am Montag vorgelegten Tankan-Bericht der Notenbank deutet auf eine Pause in der rasanten Belebung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft hin. Vor allem die Stahl-, Chemie- und Textilindustrie litt zu Jahresbeginn unter hohen Öl und Rohmaterialkosten. Trotz des leichten Rückschlags blicken die Unternehmer optimistisch in die Zukunft. Insbesondere bei den Investitionen rechnen sie in den kommenden zwölf Monaten mit einem ungewöhnlich starken Wachstum. Daher wird auch weiterhin mit einem baldigen Anheben der Leitzinsen von derzeit nahe null Prozent gerechnet.

Der so genannte Diffusionsindex für die großen Industrie-Unternehmen fiel im ersten Vierteljahr 2006 auf plus 20 Punkte von plus 21 Zählern Ende 2005, wie die Bank von Japan (BoJ) mitteilte. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem Anstieg auf plus 23 gerechnet. Vor vier Jahren inmitten der Rezession in Japan war der Index auf einen Tiefstand von minus 38 Zählern gefallen. Seither hat sich die Wirtschaft stetig erholt und auch aus dem Würgegriff der Deflation befreit. Im Schlussquartal 2005 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um annualisiert 5,4 Prozent - verglichen mit einem US-Wachstum von 1,7 Prozent.

Für ihren Tankan-Bericht hat die Notenbank im März mehr als 10 000 Firmen befragt, davon 1182 große Industrie-Unternehmen und 1212 große Dienstleistungs-Konzerne. Der Diffusionsindex ergibt sich durch die Subtraktionen der pessimistischen Einschätzungen von den optimistischen Beurteilungen. Der Index für die großen Service-Firmen stieg auf plus 18 von plus 17 Zählern Ende 2005 und erreichte damit das höchste Niveau seit 1992. Die Indizes für die großen Firmen sind deutlich aussagekräftiger für die Gesamtentwicklung der japanischen Wirtschaft als die für die kleineren Betriebe.

Für das laufende Quartal erwarten die Großunternehmen eine Verbesserung der Lage. Im Industriesektor gehen sie von plus 22 Zählern aus, im Dienstleistungsbereiche von plus 19 Punkten. Bei den Investitionen rechnen sie für das im April begonnene Geschäftsjahr mit einem Wachstum um 2,7 Prozent, während Analysten lediglich 1,5 Prozent erwartet hatten. Dies ist die optimistischste Prognose im März-Tankan seit mehr als 25 Jahren. Diese Aussicht stimmte Volkswirte zuversichtlich, dass die japanische Wirtschaft ihren Wachstumskurs fortsetzen wird. Die Aktienmärkte legten nach Vorlage des Berichts zu. Der Kurs des Yen gab allerdings etwas nach.

An den Spekulationen, dass die BoJ ihre Zinsen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte anheben wird, änderte der Tankan-Bericht nichts. Die Renditen der Staatsanleihen stiegen weiter. „Das Tankan-Ergebnis ist sehr solide“, sagte Notenbankchef Toshihiko Fukui. Die Firmen erwarteten eine stetige Expansion, was auf eine nachhaltige Belebung hindeute.

Wegen der Konjunkturerholung und des Endes der Deflation in Japan hat die Notenbank vergangenen Monat einen Kurswechsel in der Geldpolitik vollzogen. Sie beendete offiziell ihre seit fünf Jahren verfolgte Politik, das Finanzsystem direkt mit Liquiditäts-Spritzen zu versorgen, und kehrt zu einer an Zinsen ausgerichteten Vorgehensweise zurück. Nun wird damit gerechnet, dass die BoJ in den kommenden Monaten die Zinsen allmählich anhebt. Die nächste Sitzung steht am 10. und 11. April an. Hier rechnen Analysten aber noch nicht mit einer Zinserhöhung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%