Tankan-Bericht
Japan hängt weiter im Konjunkturtief

Schlechte Stimmung im Mittelstand und steigende Arbeitslosigkeit bringen Japans Regierung in Bedrängnis. Dennoch hat sich das Geschäftsklima in der Großindustrie leicht verbessert.

TOKIO.Für das Quartal von April bis Juni ergab die Tankan-Umfrage der Notenbank den ersten Anstieg seit zwei Jahren. Doch die Trendwende kam auf niedrigem Niveau. Der Index stieg von minus 58 Punkten auf minus 48 Punkte. Die Stimmung des Mittelstands verschlechterte sich weiter, und die Wirtschaft plant insgesamt eine Rückführung der Investitionen. Eine Mehrheit der Firmen ist sich einig, noch zu viele Mitarbeiter auf der Gehaltsliste zu haben.

"Wir sehen keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung", sagt Ökonom Kyohei Morita von Barclays Capital. Die Konjunkturprogramme in den USA, Europa und China hätten den Export gestützt, was den Großunternehmen genützt habe. Im Inland hätten die Verbraucher ihre Anschaffungen wegen Anreizen wie der Abwrackprämie vorgezogen. Diese Ausgaben könnten ab Herbst in der Statistik fehlen, betont Morita. Das kleine Abheben von der Nullinie könne wieder in sich zusammen fallen, prognostiziert der Experte.

Von einer "riesigen Lücke" zwischen der Stimmung der exportorientierten Großunternehmen und dem Rest der Wirtschaft spricht Chefökonom Takahide Kiuchi von Nomura Securities. "Es macht mir Sorgen, dass die Unternehmen immer noch das Gefühl haben, zu viele Mitarbeiter und Produktionsanlagen zu haben", sagt Kiuchi. Die Arbeitslosigkeit in Japan steigt derzeit rapide an. Nach aktuellen Zahlen liegt die Quote bei 5,2 Prozent. Da Japan etwas beschönigend zählt, gilt dies als sehr hoher Wert.

Lebenslange Sicherheit des Arbeitsplatzes war in Japan vor zwanzig Jahren noch die Norm - heute gibt es sie praktisch nicht mehr. Derzeit trifft der Jobschwund besonders die 35- bis 44-Jährigen. Diese Altersgruppe gibt jedoch für gewöhnlich besonders viel Geld aus. Die Entlassungen treffen die Wirtschaft also besonders hart. Für den Konsum werden ebenfalls die vielen Hunderttausend prekär Beschäftigten fehlen, von denen sich die Arbeitgeber bereits getrennt haben - bereits ein Drittel der japanischen Arbeitnehmer sind nicht fest angestellt. Nomura-Ökonom Kiuchi hält daher eine Rückkehr der Rezession im Herbst für möglich, wenn sich der erste Effekt der staatlichen Ausgabenpakete abgenutzt hat.

Die schlechte Lage am Arbeitsmarkt setzt auch Premier Taro Aso unter Druck, der sich bis September einer Parlamentswahl stellen muss. Die Opposition liegt derzeit in Umfragen deutlich vorn. Sie verspricht, schnell einen Aufschwung einzuleiten und zugleich die Sozialausgaben zu erhöhen. Um gegen solche Verlockungen seine Chancen zu verberssern, schickt Aso nun ein neues Gesicht vor. Er teilt das derzeitige Superministerium für Finanzen und Wirtschaft wieder auf. Neuer Wirtschaftsminister wird sein Parteifreund Yoshimasa Hayashi. Der 48-Jährige gilt als beliebter Nachwuchspolitiker. Hayashi ist Sohn eines früheren Finanzministers und besitzt Erfahrungen in der freien Wirtschaft.

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