Tankan-Bericht
Japans Geschäftsklima sackt ab

Die Subprime-Krise und die Dollarschwäche schlagen den großen japanischen Industrieunternehmen auf die Stimmung. Und der nächste Absturz ist schon in Sichtweite.

HB TOKIO. Japans Wirtschaft leidet zunehmend unter den Folgen der US-Kreditmarktkrise. Das vierteljährliche Geschäftsbarometer der japanischen Notenbank ist angesichts schwächerer Exporte in die USA und wegen der Dollarschwäche auf ein Vierjahrestief gefallen. Der maßgebliche Index für das Kilma unter großen Industrieunternehmen sackte von 19 Zählern im Dezember im März auf 11 Zähler. Eine Mehrheit aller Unternehmen erwartet eine weitere Verschlechterung der Lage in den kommenden Monaten und plant daher, weniger zu investieren. Der Ausblick auf die Juni-Umfrage lässt einen weiteren Absturz erwarten - hinunter auf sieben Zähler.



Ökonomen zeigten sich vom Ausmaß des Durchhängers überrascht. „Der Tankan fiel etwas schwächer aus als erwartet“, so Konjuntkurexperte Yuichiro Nagai von Barclays Capital. Er habe nur mit einem Absinken auf 13 Zähler gerechnet. Jetzt sehe es so aus, als ob die Unternehmensgewinne deutliche leiden werten unter der Aufwertung des Yen zum Dollar und schwacher Nachfrage aus den USA. Auch für den Arbeitsmarkt sei das Ergebnis kein gutes Zeichen. Zwar leiden die Unternehmen eigentlich unter Arbeitskräftemangel. Doch wegen steigender Kosten vor allem für Rohstoffe könnten sie nicht so viele Mitarbeiter einstellen, wie sie zum Wachsen eigentlich bräuchten. Ökonom Tetsufumi Yamakawa von Goldman Sachs sieht in dem Tankan-Ergebnis sogar den Beleg dafür, dass Japan bereits in die Rezession geschliddert ist. „Besonders auffällig ist der Niedergang im Fall der Autoindustrie, die besonders stark vom Rückgang in den USA und dem Wechselkursanstieg betroffen ist“, sagt Yamakawa. Das Muster aus schwache Binnennachfrage und starker Währung ähnele dem vergangener Rezessionen.



Für den nächsten offiziellen Konjunkturausblick der Regierung am 9. April erwartet Goldman Sachs daher ein Abrücken von der bisher optimistischen Grundhaltung gegenüber der internationalen Finanzmarktkrise. Auch eine lockerere Geldpolitik der Bank of Japan (BoJ) sei in naher Zukunft wahrscheinlich. Die BoJ hat hinter den Kulissen bereits damit begonnen, die Märkte auf die Möglichkeit einer Zinssenkung oder einer Liquiditätsschwemme vorzubereiten.



Japans Konjunktur zeigt derzeit ein gemischtes Bild. Die These von der beginnenden Rezession ist umstritten, zumal immer wieder Daten auf eine vergleichsweise stabile Entwicklung hindeuten. Zahlen zur Industrieproduktion am Montag hatten beispielsweise positiv überrascht. Die vierteljährliche Umfrage des Wirtschaftsministeriums hatte ergeben, dass die Industrie ihren Ausstoß im ersten Quartal 2008 verglichen mit dem Vorjahr um 4,2 Prozent gestiegen ist. „Vor allem die Produktion von Maschinen lag über den Erwartungen“, sagt Ökonom Takashi Omori vom Bankhaus UBS. Der Export von Industriemaschinen hatte im Vergleich zum Endquartal 2007 um gut fünf Prozent zugelegt. „Wir glauben weiterhin, dass Japans Wirtschaft abbremsen, aber nicht in eine Rezession gehen wird“, so Omori. Dementsprechend fällt auch Omoris Kommentar zum Tankan-Bericht aus: „Das Ergebnis ist nicht so schlecht, wie es aussieht.“ Obwohl das Geschäftsklima nicht so gut ausgefallen sei, seien die erwarteten Renditen weiter hoch - zumal angesichts der Gesamtlage. Omori erwartet daher weiter eine gute Entwicklung der Beschäftigung und rechnet nicht mit einer Zinssenkung der BoJ.



Die Wirtschaftswissenschaftler stützen ihren Optimismus für Japans Konjunktur auf eine viel beschworene Abkopplung vom einst größten Wirtschaftspartner USA: Seit 2007 übersteigt das Handelsvolumen mit China das mit Amerika um mehrere Prozentpunkte. Zwar bringen die USA noch einen höheren Anteil am Gewinn, doch Export wie auch Produktion in Ostasien machen den Löwenanteil des japanischen Auslandsengagements aus. Da die Entwicklung der Schwellenländer noch mehr von der Ausweitunge der grundlegenden Bedürfnisse der Einwohner dort getragen sind, sollte eine Abschwächung in den USA nicht so viel schaden – so die Idee von der Abkopplung.



Für die Tankan-Umfrage fragt die Zentralbank im Laufe eines guten Monats 11 000 Unternehmen nach Geschäftsbedingungen und Erwartungen. Die Indexzahl ergibt sich, indem die Zahl der Pessimisten von der Zahl der Optimisten abgezogen wird. Zuletzt stand der Index im Jahr 2003 unter 12 Prozentpunkten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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