Tankan-Indikator auf historischem Tief
Japans Wirtschaftsstimmung im freien Fall

Das japanische Geschäftsklima ist auf den tiefsten Stand seit Beginn seiner Messung gesunken. Vor allem der Wert für die Automobilbranche steht spektakulär niedrig. Ökonomen machen sich vor allem Sorgen um die Arbeitsplätze und damit die Binnennachfrage im einstigen Land der lebenslangen Beschäftigung.

TOKIO. Ein vorlaufender Indikator der Konjunkturumfrage „Tankan“ weist jedoch auf eine leichte Verbesserung zur Jahresmitte hin, teilte Japans Notenbank in Tokio mit. Die Einschätzung des Geschäftsklimas durch große Industriebetriebe fiel auf minus 58 Punkte. Im Dezember lag der Wert noch bei 24 Punkten. Damit hat sich die Wirtschaftsstimmung in Japan das sechste Quartal in Folge verschlechtert. Die Bank of Japan befragt für ihren Ausblick seit 1974 jedes Vierteljahr eine Auswahl von Unternehmen. Die Tankan-Umfrage ist der wichtigste Konjunkturindikator der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Vor allem der Wert für die Automobilbranche steht spektakulär niedrig. Minus 92 Punkte bedeuten, dass praktisch alle Unternehmen ihre Lage „schlecht“ einschätzen. Die Stimmung in den Rohstoffbranchen ist ähnlich pessimistisch. Den besten Wert erreicht die Lebensmittelindustrie. Sie kommt auf minus sechs Zähler. „Das Bild zerfällt in Gewinner und Verlierer“, sagt Ökonom Kyohei Morita von Barclays Capital. Eine besondere Eigenschaft der derzeitigen Rezession sei der Anstieg der Lagerhaltung im Vergleich zur Nachfrage. „Das führt zu höheren Lagerkosten und erhöht den Eindruck, dass es erhebliche Überkapazitäten gibt.“

Die Investitionen der Unternehmen werden Morita zufolge mindestens bis Mitte des Jahres austrocknen. Die Umfrage zeigte auch, dass viele Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, sich angemessen zu finanzieren. Selbst größere Firmen bekommen Schwierigkeiten, ihren Kapitalbedarf zu decken.

Ökonomen machen sich jedoch vor allem Sorgen um die Arbeitsplätze und damit die Binnennachfrage im einstigen Land der lebenslangen Beschäftigung. „Der Indikator für Neueinstellungen und Entlassungen weist auf einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit hin“, sagt Akira Maekawa von der Großbank UBS. Die Arbeitslosigkeit war in Japan zuletzt deutlich gestiegen. Die Experten erwarten nun zusammen mit den Unternehmen, dass nach dem Export auch der Konsum im Inland weg bricht. Es entstehe unter den Firmen immer mehr der Eindruck, zu viele Mitarbeiter zu beschäftigen, sagt Morita. „Wir werden eine noch strengere Arbeitsmarktlage sehen, und die Haushalte werden weniger ausgeben.“ Er ordnet den Dienstleistungssektor komplett im Lager der Verlierer ein.

Die Stimmung im Einzelhandel ist dementsprechend stark auf minus 42 Punkte gefallen – von minus 18 im Dezember. Ähnlich schlechte Werte erreichen auch Großhandel und Gastronomie. Unter den Dienstleistern stürzte die Leasingbranche am stärksten ab und erreicht minus 50 Punkte.

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