Tankan
Stimmung in Japans Wirtschaft bessert sich

Angesichts der Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung hat sich die Stimmung unter den japanischen Industriemanagern verbessert. Allerdings sieht das Tankan-Barometer den Mittelstand weiter in der Krise.
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TOKIO. Japans Wirtschaft schleppt sich nur mühsam aus der Rezession. Während sich die Großindustrie verhalten über steigende Bestellungen aus dem Ausland freut, kommt aus dem Inland weiter nur schwache Nachfrage. Das geht aus dem Tankan-Bericht zur Stimmung der Unternehmen hervor. "Die Erholung der Produktion setzt sich eindeutig nicht in inländische Verbrauchernachfrage durch Kanäle wie mehr Beschäftigung fort", sagt Ökonom Tetsufumi Yamakawa von Goldman Sachs. Auch die bessere Stimmung in der Großindustrie überzeugt ihn nicht von einer nachhaltigen Erholung. "Trotz des Anstiegs liegt der Indexwert immer noch im Bereich früherer Rezessionen." Das zeige, dass Japan bis zur vollständigen Erholung noch einen weiten Weg vor sich haben.

Der Indikator für die Stimmung der Großindustrie war von minus 48 bei der Juni-Umfrage auf minus 33 gesprungen. Der Wert für kleine und mittlere Unternehmen hat zwar die Trendwende geschafft und ist einige Punkte gestiegen, liegt aber immer noch bei sehr schlechten minus 43.

Ökonomen erwarten nun schwierige Monate. "Wir halten einen nachfolgende Korrektur für wahrscheinlich", sagt Yamakawa. Die Binnennachfrage könnte einen Rückfall erleiden, wenn die Regierung nicht konsequent mit ihren Konjunkturprogrammen nachlegt. Die Unternehmen haben ihre Pläne für Ausrüstungsinvestitionen weiter nach unten korrigiert, was letztlich auf große Skepsis bezüglich der Erholung schließen lässt. Viel von der derzeitigen Verbesserung sei einfach zyklisch, sagt Takuji Aida von der Großbank UBS. Sprich: die Lage war Mitte des Jahres so schlecht, dass es praktisch nur bergauf gehen konnte. "Auch die Arbeitsmarktlage bleibt schwierig, aber wir haben vermutlich das schlimmste hinter uns", sagt der Ökonom.

Die Arbeitslosenquote hängt in Japan seit Sommer auf dem Nachkriegsrekord von 5,7 Prozent fest. Auch andere Daten sehen noch ziemlich düster aus. In Japan sind die Preise im vergangenen Monat um 2,4 Prozent gefallen. Damit kommt eine alte Heimsuchung nach Japan zurück: die Deflation. Schon seit über einem Jahrzehnt kämpft die größte Volkswirtschaft in Ostasien mit diesem wirtschaftlich katastrophalen Phänomen. Angesichts der schwachen Einkommenslage ihrer Kunden senkt der Handel die Preise. Die Verbraucher verschieben daraufhin ihre Ausgaben in der Hoffnung auf ein besseres Geschäft in der Zukunft. Zugleich nehmen Handel und Industrie weniger ein und können daher weniger investieren und beschäftigen.

Seit einigen Tagen ist auch ein weiterer alter Bekannter aus dem Schrecknskabinett der japanischen Konjunkturdaten zurück: der starke Yen. Unbedachte Bemerkungen des Finanzministers und enttäuschende Daten aus den USA haben Japans Währung mehrere Prozent aufwerten lassen. Damit sind Japans Produkte im Ausland teurer, während die Gewinne daheim weniger wert sind. Die Exporteure erwarten nun durch die Bank schlechtere Ergebnisse für die zweite Jahreshälfte. Der Leitindex für die Tokioter Börse, der Nikkei, fiel angesichts all der schlechten Nachrichten zeitweilig unter die wichtige Grenze von 10 000 Yen.

Die Politik tut unterdessen nicht viel, um der Wirtschaft ihre Sorgen zu nehmen. Der neue Minister für Finanzstrategie Shizuka Kamei hatte kürzlich einen Regierungsplan angekündigt, der geradezu sozialistisch klingt: Er will die Banken zwingen, notleidenden Mittelständlern Rückzahlung ihrer Schulden für drei Jahre zu erlassen. Nach Jahrzehnten des Kampfs gegen faule Kredite würde der Staat nun umgekehrt schlechte Bonität gesetzlich sanktionieren und fördern. Falls eine Regionalbank durch das Gesetz in Zahlungsschwierigkeiten gerate, könne der Staat sie ja immer noch heraushauen, versuchte Kamei die aufgeschreckte Finanzbranche zu beruhigen. Die Regierung plant nun offenbar auch, den Banken die ausfallenden Zinszahlungen aus Steuermitteln zu ersetzen. Kamei gehört der linksnationalen Neuen Volkspartei an, einem Koalitionspartner der Demokratischen Partei Japans von Premier Yukio Hatoyama.

Der neue Premier ist zwar eher in der politischen Mitte angesiedelt, lässt Kamei jedoch in der Frage der Mittelstandsfinanzierung freie Hand. Bankaktien verloren in Japan angesichts des geplanten Eingriffs stärker als der Gesamtmarkt. Kamei verunsicherte die Wirtschaft in diesen Tagen jedoch noch durch weitere Bemerkungen. Die neue Koalition wolle den Haushaltsplan für das laufende Jahr überarbeiten, sagte der umstrittene Minister. Sie wolle dabei überprüfen, ob die Konjunkturausgaben wirklich als Hilfe für die Wirtschaft notwendig seien. "Ich kann nicht verhehlen, dass unsere Pläne Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden", sagte Kamei mehrdeutig.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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