Tankan-Umfrage
Trotz Erholung schrillen in Tokio Alarmglocken

Japans Großindustrie beurteilt das Geschäftsklima unerwartet optimistisch. Doch die schlechte Stimmung im Mittelstand und schwache Investitionen deuten darauf, dass sich die konjunkturelle Erholung lediglich auf niedrigem Niveau fortsetzt, zeigt die aktuelle Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank. "So rasant wird der Aufschwung nicht werden", meinte Rudolf Besch von der Dekabank.
  • 0

TOKIO. Wegen der fragilen Konjunktur verzichtet die Regierung auch auf die Einführung einer Ökosteuer auf alle fossilen Brennstoffe. Die Wirtschaft hatte massiv gegen die neue Abgabe protestiert, obwohl sie lediglich eine Benzinersteuer ersetzen sollte.

Laut der Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank stieg das Stimmungsbarometer für die großen Industriefirmen im Quartal zwischen Oktober und Dezember von minus 33 auf minus 24 Punkte. Für Ende März erwarten die Konzerne eine erneute Verbesserung auf minus 18 Punkte. Bei den großen Dienstleistern ergab sich mit minus 22 Punkten keine große Änderung. Ein Rückfall in die Rezession scheint Japan damit nicht zu drohen. Doch die Zahl der Optimisten wächst langsamer. Erst bei einem positiven Indexwert sind sie in der Mehrzahl. Zuletzt war dies im Juni 2008 der Fall.

Deutlich schlechter gelaunt ist der Mittelstand im verarbeitenden Gewerbe mit minus 40 Punkten, auch wenn das zwölf Punkte mehr sind als im September. Fürs nächste Vierteljahr gehen die kleinen Firmen von einer wirtschaftlichen Stagnation aus. Von dem neuen Konjunkturpaket über 55 Mrd. Euro, das besonders auf die Kleinunternehmen zielt, scheinen sie sich nicht viel zu versprechen.

Alarmglocken löste in Tokio die miserable Investitionsbereitschaft der Firmen aus. Die Großunternehmen in allen Wirtschaftssektoren wollen ihre Kapitalausgaben im aktuellen Geschäftsjahr, das bis Ende März läuft, um 13,8 Prozent kürzen - für eine Dezember-Umfrage ist das Rekordwert. Die produzierenden Konzerne wollen sogar über ein Viertel weniger investieren als im Vorjahr. "Die Firmen müssen ihre Kosten senken, um die Gewinnspannen zu halten", erklärte Junko Nishioka, Chefvolkswirtin von RBS Securities in Tokio.

Derzeit sind die Kapazitäten der Fabriken nur zu etwa zwei Drittel ausgelastet. Im dritten Quartal klaffte zwischen Angebot und Nachfrage eine Lücke von rund 270 Milliarden Euro. Immerhin haben zumindest die großen Firmen ihre Kosten im Griff. Trotz fallender Umsätze korrigierten sie ihre Gewinnerwartungen nach oben. Die Erträge sollen jetzt nur noch 16 Prozent unter dem Vorjahr liegen, nachdem im Vorquartal noch über 19 Prozent Minus erwartet wurden.

Auch der teure Yen drückt auf die Laune der Wirtschaft. Die japanische Währung war Anfang Dezember auf ein 14-Jahres-Hoch zum Dollar geklettert. Ein Toyota-Vorstand hatte daraufhin indirekt das dritte Verlustjahr in Folge angekündigt, weil der Währungsverlust den Ertrag aus der steigenden Produktion auffräße. Die Konzerne kalkulieren nun mit einem Wechselkurs von 92,93 Yen zum Dollar. Bei der letzten Umfrage gingen sie noch davon aus, für einen Dollar 1,6 Yen mehr zu erhalten.

Kommentare zu " Tankan-Umfrage: Trotz Erholung schrillen in Tokio Alarmglocken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%