Termingelder knapp
EZB teilt Banken erneut mehr Geld zu

Die EZB hat den Banken der Euro-Zone beim regulären wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft am Dienstag erneut mehr Geld zugeteilt, als sie zur Erfüllung der Mindestreserve benötigen. Grund: die angespannte Lage bei Termingeldern.

HB FRANKFURT. Die Sätze für Tagesgeld - der Zins, den Banken sich bei Übernacht-Krediten untereinander berechnen - blieben nach der Tenderzuteilung mit 3,97 bis 4,03 Prozent in etwa auf dem Vortagesniveau. Den meisten Umsatz machten Händler bei 4,00/03 Prozent aus. Weiter angespannt blieb die Lage bei Termingeldern - also Interbankenkrediten mit längeren Laufzeiten.

Die EZB teilte mit 275 Milliarden Euro 46 Milliarden Euro mehr zu, als die Banken nach ihren Berechnungen eigentlich gebraucht hätten. Dabei drosselte sie aber die Zufuhr gegenüber voriger Woche, als die Mehrzuteilung noch bei 73,5 Milliarden Euro gelegen hatte. Während die Notenbank den marginalen Zinssatz, zu dem sie den Banken das Geld zuteilte, mit 4,08 (Prognose 4,06) Prozent unverändert zur Vorwoche ließ, senkte sie den gewogenen Durchschnittssatz auf 4,09 (Prognose 4,08) Prozent von 4,10 Prozent vor einer Woche.

„Das war am oberen Ende der Erwartungen“, sagte ein Händler. Die EZB hatte die Mehrzuteilung schon am Vorabend angekündigt. Sie will damit eine weitere Normalisierung der Lage am Geldmarkt erreichen.

In der Euro-Zone müssen die Banken bei der Zentralbank Mindestreserven vorhalten, die von der EZB monatlich für vier Wochen festgelegt wird. Die Notenbank veröffentlicht zudem jeweils vormittags für den Vortag die aktuellen Reservedaten. So gaben die Zentralbankguthaben der Banken per Montag auf 216,2 (Freitag 229,1) Milliarden Euro nach. Der laufende Durchschnitt sank auf 228,15 (235,4) Milliarden Euro. Dies liegt weiterhin deutlich über dem Mindestreserve-Soll von 191,862 Milliarden Euro.

Haben die Banken zum Ende der Reserveperiode zu wenig Guthaben, müssen sie sich teures Geld leihen. Haben sie zu viel, drohen ihnen Einbußen. Händler rechnen daher damit, dass die EZB zum Ende der Mindestreserveperiode am 11. September das überschüssige Geld wieder einsammeln wird.

Viele Banken horteten derweil weiter ihre Geldbestände, um bei einer Ausweitung der Kreditkrise genügend flüssige Mittel zu haben. Am Termingeldmarkt können daher inzwischen laut Händlern kaum noch Kurse gestellt werden. „Nur ganz vereinzelt gibt es überhaupt Anbieter“, klagte ein Händler. „Auf Dauer ist die Situation sicherlich nicht tragbar. Aber das ist eine Frage des Vertrauens und der Kreditlinien“, fügte ein weiterer hinzu. „Jede Bank will sicher sein, dass keiner Leichen im Keller hat“, erläuterte ein Geldmarktanalyst.

Durch den Engpass werden nach Einschätzung von Händlern alle Kredite teurer. „Die Risikoprämien steigen - auch für den kleinen Einzelhändler an der Ecke, der einen Kredit aufnehmen will“, warnte ein Händler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%