Teuerung
Bank of England sieht sich „machtlos gegen Inflation“

Die Notenbanker auf der Insel schlagen Alarm: Die Bank von England sieht sich nahezu machtlos im Kampf gegen die aktuell auch in Großbritannien hohe Inflation. Und das war nicht der einzige Hilferuf des Tages.

HB LONDON. Hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Aktienkurse und massive Schulden. Großbritanniens Problemliste ist lang. Da passt der Hilferuf der Bank of England ins Bild. Die Währungshüter räumten jetzt ein, sie seien nahezu machtlos im Kampf gegen die aktuell auch in Großbritannien hohe Inflation.

Ein Gegensteuern würde starke Zinserhöhungen nötig machen und damit schwere wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen, hieß es in dem am Montag in London veröffentlichten Jahresbericht der Zentralbank. „Der geldpolitische Ausschuss kann den Gang der Inflation kurzfristig kaum beeinflussen. Er hat entsprechend auch nicht versucht, die Teuerung unter der Zielmarke zu halten nach dem starken Anstieg der Rohstoffpreise“, schrieb Notenbankchef Mervyn King in dem Bericht. „Dies zu tun, hätte eine starke Erhöhung der Leitzinsen erforderlich gemacht, mit schweren Konsequenzen für Produktion und Arbeitsmarkt.“

Wie die Euro-Zone und die meisten anderen Volkswirtschaften weltweit leidet auch Großbritannien seit Monaten unter dem hohen Ölpreis und steigenden Lebensmittelpreisen. Die Teuerung in der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas, die aber nicht zur europäischen Währungsunion gehört, war im Mai auf 3,3 Prozent gestiegen und lag damit so hoch wie nie seit 1997, dem Jahr als die Notenbank die Hoheit über die Geldpolitik übernahm. Analysten rechnen mit einer weiteren Zunahme auf 3,6 Prozent im Juni. Die neuen Zahlen werden am Donnerstag veröffentlicht. Das offizielle Ziel für die Inflation liegt bei zwei Prozent.

Die Bank von England hatte den Leitzins für Großbritannien vergangene Woche bei fünf Prozent belassen. Sie sieht zwar die Gefahr, dass die Inflation im weiteren Jahresverlauf bis auf Werte um vier Prozent steigen könnte. Andererseits steht die Konjunktur in Großbritannien derzeit auf Messers Schneide. Vor allem der Wohnimmobilienmarkt ist in eine Schieflage geraten. Noch im April hatte die Zentralbank den Leitzins gesenkt, um die von der internationalen Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogene Wirtschaft des Landes zu stützen.

Hohe Ölpreise und die Rekordinflation drücken auch auf das Wirtschaftswachstum der Euro-Länder. Die Verbraucherpreise im Euroraum waren im Juni mit einer Rekordjahresrate von 4,0 Prozent gestiegen. Das ist mit Abstand der höchste Wert seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999. Die Die EZB hatte infolge den Leitzins in der Währungsunion auf 4,25 Prozent angehoben. Er ist damit so hoch wie zuletzt vor etwa sieben Jahren.

Ende vergangener Woche hatte bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) vor den Folgen der weltweiten hohen Teuerungsraten gewarnt. Die Konsequenzen der weltweiten Krise an den Finanzmärkten dürften aber noch für einige Zeit spürbar sein. Die Weltwirtschaft befinde sich genau „zwischen dem Eis der Rezession und dem Feuer der Inflation“. Die Wirtschaft in Schwellenländern verzeichne zwar gutes Wachstum. Die Inflation, die in Zusammenhang mit den hohen Öl- und Lebensmittelpreise stehe, bleibe aber ein ernsthaftes Problem.

China schlägt wegen Wechselkurs Alarm

Der Hilferuf der Bank of England war nicht der einzige des Tages. Tausende Kilometer entfernt, in China, wurde ebenfalls Alarm geschlagen. Das einflussreiche Handelsministerium Chinas forderte in einem internen Regierungsbericht eindringlich ein Umsteuern in der Wechselkurspolitik. Die Aufwertung der Landeswährung Yuan soll nach Ansicht des Ministeriums nicht mehr im bisherigen Tempo fortgesetzt werden. Die unter steigenden Kosten leidenden Exporteure bräuchten Zeit, sich auf die veränderte Lage einzustellen. Falls der Anpassungsprozess zu rasant verlaufe, drohe eine Pleitewelle - insbesondere in der Bekleidungs- und Textilindustrie, warnte das Ministerium.

Bereits jetzt steckten zwei Drittel der Firmen in diesem Bereich in den roten Zahlen oder drohten in die Verlustzone abzurutschen. Das Ministerium empfiehlt daher, den Exporteuren mit höheren Steuervergünstigungen unter die Arme zu greifen, um einen Einbruch bei den Ausfuhrzahlen abzuwenden.

Der Handelsbilanzüberschuss Chinas ging in der ersten Jahreshälfte zum Vorjahr um zwölf Prozent zurück. Die alarmierenden Zahlen nähren kurz vor den Olympischen Spielen im Reich der Mitte die Furcht, dass der langjährige Boom in dem aufstrebenden Schwellenland abebben könnte. Das Handelsministerium erarbeitete daraufhin einen Empfehlungskatalog für die Regierung, dessen Inhalt nun durchsickerte.

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