Teuerung dämpft Zinssenkungserwartungen
Britische Notenbank warnt vor steigender Inflation

Großbritannien in der Klemme: Auf der Insel warnt die Bank of England (BoE) vor einer anhaltend hohen Inflation und einer deutlichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums im Jahresverlauf.

HB LONDON. Sollten die Zinsen wie weithin erwartet um einen halben Prozentpunkt sinken, werde die Teuerung binnen eines Jahres nach oben schießen und in den kommenden beiden Jahren über der Zielmarke von zwei Prozent verharren, teilte die Bank von England in ihrem vierteljährlichen Inflationsbericht mit. Bei stabilen Zinsen werde die Inflationsrate dagegen knapp unter zwei Prozent bleiben.

Das Wachstum werde sich im Jahresverlauf deutlich abschwächen, hieß es in dem Bericht weiter. Dabei bestehe sogar das Risiko, dass die Wirtschaft schrumpfe. Zugute käme den britischen Unternehmen aber der Kursverlust der Währung, sagte Notenbankchef Mervyn King. Dies stütze die Exporte.

„Es ist gut möglich, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt ein oder zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten verzeichnen“, erklärte der BoE-Gouverneur. Eine Rezession gehöre aber nicht zu den zentralen Erwartungen der Notenbank.

Die Wirtschaft des Landes ist wegen der Finanz- und Immobilienkrise in Schwierigkeiten geraten. Gleichzeitig werden die Verbraucher immer skeptischer, während die Banken die Vergabe von Krediten einschränken.

Die BoE hatte den Leitzins seit Herbst vergangenen Jahren in drei Schritten von je 25 Basispunkten auf derzeit 5,0 Prozent gesenkt. Damit weist Großbritannien aber weiterhin das höchste Leitzinsniveau unter den sieben wichtigsten Industriestaaten (G-7) auf.

Würde die Notenbank versuchen, die Inflation kurzfristig einzudämmen, würde dies lediglich zu einer „nicht wünschenswerten Volatilität des Wachstums“ führen, erklärte King. Daher müsse die BoE mit Blick auf die Inflation Geduld beweisen. Ziel sei es, die Inflationsrate innerhalb von 24 Monaten wieder dem Zielbereich anzunähern, sagte King. Die Projektionen der BoE beinhalten - auf Basis der Erwartungen an den Terminmärkten - eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 4,75 Prozent im dritten Quartal 2008.

Zu dem am Dienstagabend angekündigten Konjunkturpaket sagte King, es handele sich um eine „relativ moderate Maßnahme“. Der britische Finanzminister Alistair Darling hatte ein Steuerpaket im Volumen von 2,7 Mrd Pfund vorgestellt, das den unter hohen Preisen leidenden Verbrauchern etwas Entlastung bringen soll.

Das Pfund Sterling gab nach dem vierteljährlichen Inflationsbericht der BoE zum Dollar um bis zu einen halben Cent auf ein Drei-Monats-Tief von 1,9366 Dollar nach. „Alles in allem ist der Bericht wegen der hohen Inflationserwartung und dem schwachen Wachstumsbild ziemlich pessimistisch, was das Pfund Sterling angeht“, sagte ein Analyst.

Am Vortag hatten einige US-Notenbanker vor zunehmenden Inflationsrisiken gewarnt. Der Chef der Notenbank von Kansas, Thomas Hoenig, hatte erklärt, angesichts der Aussichten für die Preisentwicklung müsse die Fed bereit sein, ihre Zinssätze wieder anzuheben. Auch die Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco, Janet Yellen, erklärte, die Zinsen müssten rechtzeitig wieder steigen, wenn das Wachstum anziehe.

Die Dollar-Schwäche in diesem Jahr wird vor allem auf den Zinsvorteil des Euro zurückgeführt. In den USA liegt der Leitzins bei zwei Prozent, in der Euro-Zone ist er doppelt so hoch.

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