Teuerung
Ökonomen: Inflation wird sich normalisieren

Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem Rückgang der Preissteigerungsrate im zweiten Halbjahr – Bundesbank-Chef Weber ist da deutlich pessimistischer.

BERLIN/FRANKFURT. Die führenden Ökonomen in Deutschland rechnen nicht mit einer dauerhaft hohen Inflation. „Ich denke, dass der Höhepunkt jetzt erreicht ist, und sich spätestens im vierten Quartal die Preissteigerungsraten normalisieren werden“, sagte der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard dem Handelsblatt. Er schloss sich damit den Erwartungen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute an, die in ihrem Frühjahrsgutachten ebenfalls von einem Rückgang der Inflationsraten zum Jahresende ausgehen. Nach ihrer Prognose, die gestern veröffentlicht wurde, wird der Anstieg der Verbraucherpreise 2008 im Jahresdurchschnitt 2,6 Prozent betragen und 2009 wieder mit 1,8 Prozent im Normalbereich liegen – allerdings unter einer Voraussetzung, dass die Tarifpartner bei den Löhnen nicht das Maß verlieren.

Oberhalb einer Inflationsrate von drei Prozent, die momentan erreicht ist, bestehe die Gefahr, dass eine Lohn-Preis-Spirale entsteht. „Ich glaube noch nicht, dass sie schon in Gang ist, aber die Gefahr ist da“, sagte Konjunkturexperte Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Im Frühjahrsgutachten setzen die Ökonomen ihr Vertrauen in die Europäische Zentralbank. Sie loben die EZB ausdrücklich dafür, dass sie die Zinsen trotz der Finanzmarktkrise nicht gesenkt hat.

Bundesbank-Präsident Axel Weber äußerte sich deutlich pessimistischer als die Wissenschaftler – bezog sich dabei aber nicht nur auf Deutschland, sondern auf die Inflationszahlen für die gesamte Euro-Zone. Der Inflationsdruck in Euroland dürfte noch länger andauern. Er sehe das Risiko, dass die Teuerung in diesem Jahr noch lange über drei Prozent bleiben könnte und 2009 erst allmählich in Richtung des Stabilitätsziels der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent fallen werde. „Meine Arbeitshypothese ist für dieses Jahr, dass die Inflationsrate in diesem Jahr erst gegen Ende des Jahres unter drei Prozent fallen wird“, sagte Weber, der dem geldpolitischen Rat der EZB angehört. Im März hatte die Jahresinflationsrate im gesamten Währungsgebiet bei 3,6 Prozent gelegen. Vor dem Hintergrund der starken Preiserhöhungen bei Energie und Nahrungsmitteln kündigte er eine neue Inflationsprognose durch die EZB an. Der Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise sei hartnäckiger als erwartet.

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