Teuerungsrate
Inflation auf höchstem Stand seit 2001

Die rapide gewachsenen Energiekosten haben die Inflation in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit über vier Jahren getrieben. Die Jahresteuerungsrate sprang auf 2,5 Prozent nach 1,9 Prozent im Vormonat.

HB WIESBADEN. Zuletzt lag die Inflationsrate im Juni 2001 so hoch. Von August auf September verteuerten sich die Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent. Neben einem weiteren Preisschub bei Öl und Benzin - verursacht durch den Hurrikan „Katrina“ - bekamen die Verbraucher die neue Tabaksteuererhöhung zu spüren. Zudem verteuerte sich Bekleidung ungewöhnlich stark, was Experten auch auf den EU-Import-Stopp von chinesischen Textilien zurückführten.

Trotz des Preissprungs rechnen Ökonomen aber nicht mit einer dauerhaft höheren Inflation. „Die Sondereffekte, die wir im September gesehen haben, sollten im nächsten Monat verschwinden“, sagte HVB-Volkswirt Andreas Rees. Da die jüngste Entwicklung weitgehend abzusehen war, gehen Beobachter auch nicht davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bald mit einer Zinserhöhung reagieren wird. Auch EZB-Ratsmitglied und Bundesbank-Präsident Axel Weber bezeichnete kurzfristige Preisverzerrungen etwa durch höhere Ölpreise für die Geldpolitik als weniger Besorgnis erregend. Sollte es jedoch Zweitrundeneffekte geben, werde die EZB handeln, um die Preisstabilität zu sichern.

In sechs Bundesländern erhöhte sich die Jahresteuerung auf Raten zwischen 2,2 Prozent in Hessen und 3,1 Prozent in Sachsen - wo sie damit den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreichte. Allein von August auf September stiegen die Preise in den Ländern um 0,3 bis 0,6 Prozent.

Hauptgrund für den Inflations-Sprung waren erneut die Rekordpreise für Öl. In Hessen kostete Heizöl rund 45 Prozent mehr als vor einem Jahr, Benzin und Diesel waren gut 15 Prozent teurer. Ohne Öl-Produkte betrug die Inflation dort nur 1,3 Prozent. In Sachsen verteuerte sich Heizöl von August auf September um fast sieben Prozent und Kraftstoffe um knapp fünf Prozent.

„Die größte Überraschung kam von der Bekleidung und Schuhen“, kommentierte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. Hierfür mussten Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen als im August, was Schumacher wie andere Experten auf das Ende der Schlussverkäufe und den EU-Importstopp chinesischer Textilien zurückführte. In Nordrhein-Westfalen etwa kostete Damenbekleidung 5,5 Prozent mehr als im August.

In der EZB dürften die Daten die Sorge vor einem generellen Inflationsanstieg in der Euro-Zone verstärken. „Sollte der von außen kommende Preisdruck überschwappen und sich in den Lohnverhandlungen niederschlagen, werden wir handeln müssen, um die Stabilität der Preise zu sichern“, warnte Bundesbank-Chef Weber in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Der Ausblick für Preisstabilität habe sich zuletzt zwar eingetrübt, noch sehe die EZB aber keine ölpreisbedingten Zweitrundeneffekte.

Der für die europäische Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg in Deutschland um 0,4 zum Vormonat und lag damit 2,7 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Vor der Bekanntgabe der Länderdaten hatten Experten nur damit gerechnet, dass die Verbraucherpreise von August auf September um 0,1 Prozent gestiegen sind und die Jahresteuerung gleichzeitig auf 2,3 Prozent zugelegt hat.

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