Teuerungsrate
Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen

Die hohen Energiepreise haben 2005 die Teuerung in Deutschland auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren getrieben. Im Dezember sind - wie vor Weihnachten üblich - die Lebenshaltungskosten vor allem wegen höherer Preise im Freizeitbereich und für Reisen deutlich gestiegen.

HB BERLIN. Für ihre Lebenshaltung mussten die Menschen im Dezember etwa 0,9 Prozent mehr ausgeben als noch im November, schätzten Experten am Donnerstag nach den Daten aus fünf Bundesländern. Die Inflationsrate dürfte sich dennoch auf 2,1 von 2,3 Prozent abgeschwächt haben. In den Ländern kosteten Pauschalreisen gut 30 Prozent mehr als im November, Ferienwohnungen waren teilweise 75 Prozent teurer. Während Heizöl und Benzin meist etwas billiger als waren, blieb Energie wie im gesamten Jahr 2005 der große Preistreiber. So kostete Heizöl beispielsweise in Bayern 40 Prozent mehr als im Dezember 2004. Für das Jahr 2005 zeichnet sich für Deutschland im Schnitt eine Inflation von zwei Prozent ab - die höchste Rate seit 2001.

Die vorläufigen Daten für Deutschland wird das Statistische Bundesamt wohl am Freitag veröffentlichen. Volkswirte hatten den sich abzeichnenden Preisanstieg erwartet. „Dass die Preise im Dezember im Monatsvergleich stark ansteigen, ist ein normaler Saisoneffekt wegen der teureren Reisen“, erläuterte Christoph Weil von der Commerzbank. Sein Kollege Wolfgang Leim von der Dresdner Bank wies darauf hin, dass die Preise vor einem Jahr sogar etwas stärker gestiegen waren. Für 2006 gehen die Experten davon aus, dass der Ölpreis sinkt und die Inflation damit allmählich wieder zurückgeht. „Zur Jahresmitte könnten wir einen Wert um ein Prozent bekommen“, sagte Weil.

In Sachsen, Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen legten die Verbraucherpreise im Monatsvergleich um 0,8 oder 0,9 Prozent zu, die Jahresteuerungsraten lagen zwischen 2,0 und 2,5 Prozent. Am Freitag wurden noch die Daten aus Hessen erwartet.

Die Länder meldeten kräftige Preisanstiege vor allem im Bereich Freizeit und Urlaub: „So verteuerten sich, unter anderem auf Grund der Berücksichtigung der Weihnachts- und Silvesterreisen, „Bahn- und Busreisen' um fast 40 Prozent, 'Flugreisen' um knapp 30“, erklärte das Statistikamt in Sachsen. Ferienwohnungen kosteten 75 Prozent mehr als noch im November. Auch Lebensmittel waren teurer als vor einem Monat. Während Gas sich oft verteuerte, verbilligten sich Kraftstoffe und Heizöl.

Im Jahresvergleich blieb Energie aber der große Preistreiber: Heizöl war meist mehr als ein Drittel teurer als im Dezember 2004, Gas und Kraftstoffe kosteten bis 15 Prozent mehr. Ohne die durch den rasanten Anstieg der Ölpreise verursachte Energieverteuerung wäre die Inflationsrate im Dezember bis zu einem Prozentpunkt niedriger ausgefallen. Die teure Energie hatte auch im November die Preise für die deutschen Importe im Jahresvergleich so stark nach oben getrieben wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Da der hohe Ölpreis bislang weder die Löhne noch die Preise auf breiter Front hochgetrieben hat, muss auch die Europäische Zentralbank (EZB) nach Ansicht vieler Analysten die Zinsschraube 2006 nicht allzu sehr anziehen. „Wir erwarten für März noch eine Erhöhung um 25 Basispunkte und das war's dann“, sagte Weil. An den Finanzmärkten werden allerdings noch mindestens eine weitere Erhöhung erwartet. Die EZB hatte Anfang Dezember erstmals seit fünf Jahren den Zins auf jetzt 2,25 Prozent angehoben und dies mit der üppigen Ausstattung der Wirtschaft mit Geld und gewachsenen Inflationsrisiken begründet.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet betonte in einem Magazin-Interview, die EZB habe keine Erhöhungsserie geplant, werde aber vorausschauend entscheiden, wenn die Gefahr von Zweitrunden-Effekte auftauche. „Wenn wir mit unseren Entscheidungen warten würden, bis solche Effekte eintreten, wäre es schon zu spät. Darum ist es immer besser, solche Effekte zu verhindern, als sie später beheben zu müssen.“

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