Teure Energie
Inflationsrate im Juni auf 15-Jahres-Hoch

Massiv gestiegene Preise für Energie und Lebensmittel haben die Inflation im Juni so stark angeheizt wie seit 1993 nicht mehr. Für leichtes Heizöl musste fast 62 Prozent mehr gezahlt werden als noch vor einem Jahr. Und die Bundesbürger sehen schwarz für die Konjunktur.

HB BERLIN. Die Verbraucherpreise stiegen um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, bestätigte das Statistische Bundesamt am Mittwoch seine erste Schätzung von Ende Juni. Das ist die höchste Teuerungsrate seit Dezember 1993 mit 4,2 Prozent. Im Mai hatte sie noch bei 3,0 Prozent gelegen. Von Mai auf Juni zogen die Preise um 0,3 Prozent an.

Deutlich mehr kosteten vor allem Energie und Nahrungsmittel, wofür die privaten Haushalte etwa ein Fünftel ihres Budgets ausgeben. „Diese beiden Bereiche erklären weit mehr als die Hälfte der gesamtem Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr“, schrieben die Statistiker.

Für leichtes Heizöl musste 61,9 Prozent mehr gezahlt werden als im Juni 2007. Kraftstoffe verteuerten sich um 15 Prozent, davon Diesel mit 30 Prozent besonders deutlich. An vielen Tankstellen mussten für einen Liter Sprit zeitweise Rekordpreise von mehr als 1,55 Euro hingeblättert werden, nachdem der Ölpreis erstmals die Marke von 140 Dollar überschritten hatte. Strom kostete 7,2 Prozent mehr.

Nahrungsmittel wurden um 7,6 Prozent teurer. Für Quark wurde 31,1 Prozent mehr verlangt, für Schnittkäse 27 Prozent. Margarine verteuerte sich um 23,3 Prozent, Butter um 8,1 Prozent, Nudeln um 27,9 Prozent und Brötchen um 8,8 Prozent. Fisch und Fischwaren kosteten 1,2 Prozent mehr.

Günstiger zu haben waren dagegen langlebige Gebrauchsgüter. Hier sanken die Preise binnen Jahresfrist um 0,7 Prozent. Notebooks wurden um 27,6 Prozent billiger, Fernseher um 18,9 Prozent.

Der für den Vergleich mit anderen Euro-Ländern erhobene Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg um 3,4 Prozent zum Vorjahresmonat und um 0,4 Prozent zum Vormonat. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Auch konjunkturell ist die Sommermärchen-Stimmung in Deutschland offenbar vorbei. Die Bundesbürger sehen die wirtschaftliche Entwicklung so pessimistisch wie lange nicht mehr, wie eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag von „Stern“ und RTL ergab.

63 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland erwarten. „Es ist der schlechteste Wert, den das Forsa-Institut seit 1997 gemessen hat“, berichtete der „Stern“ am Mittwoch.

Noch zu Jahresanfang waren deutlich mehr Bundesbürger optimisch: Nur 40 Prozent glaubten damals an eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Jetzt seien lediglich 14 Prozent der Deutschen optimistisch und erwarteten, dass es künftig bergauf gehen wird.

Forsa-Chef Manfred Güllner warnte in einem Gespräch mit dem Online-Magazin stern.de vor Auswirkungen der pessimistischen Stimmung auf die Konjunktur. Ohnehin würden jetzt schon die Menschen sparen. „Nun schauen sie noch genauer auf jeden Cent.“ Dies werde die Talfahrt sicherlich noch verstärken. Hier sei die Politik gefragt, den Bürgern Orientierung zu geben.

Für die Umfrage wurden 2501 Bundesbürger repräsentativ ausgewählt und vom 07. bis 11. Juli 2008 befragt.

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