Teure Importe: Preisexplosion gefährdet den Aufschwung

Teure Importe
Preisexplosion gefährdet den Aufschwung

Die deutsche Industrie ist so gut ausgelastet wie seit 2008 nicht mehr. Doch der Aufschwung könnte ins Stocken geraten, die Importpreise sind im Dezember 2010 deutlich gestiegen – um 12 Prozent. Führende Ökonomen warnen vor der Inflation.
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Berlin„Wir sind im Boom, aber - zumindest im Verarbeitenden Gewerbe - noch nicht auf dem Höhepunkt des Booms angekommen“, sagte der Konjunkturchef des Ifo-Instituts Kai Carstensen am Mittwoch. „Da ist noch Luft nach oben.“ Die Unternehmen haben ihre Maschinen und Geräte derzeit zu 84,7 Prozent ausgelastet. Dies liegt etwas über dem langjährigen Durchschnitt von gut 83 Prozent und fast zehn Prozentpunkte über dem Wert vor einem Jahr. Der Rekordwert vom Frühjahr 2007 mit gut 88 Prozent liegt aber noch in weiter Ferne. Und der rasante Anstieg der deutsche Importpreise könnte den Aufschwung verlangsamen.

Denn die Importpreise sind im Dezember so stark gestiegen wie seit über 29 Jahren nicht mehr. Sie zogen um 12,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an, weil vor allem Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel deutlich mehr kosteten. Eine höhere Teuerungsrate hat es zuletzt im Oktober 1981 mit 13,7 Prozent gegeben, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit.

Gegenüber November 2010 stiegen die Einfuhrpreise um 2,3 Prozent. Energie war im Dezember um mehr als ein Drittel (34,2 Prozent) teurer als ein Jahr zuvor. Zu den Preistreibern zählte unter den übrigen Rohstoffen auch Eisenerz, das 98,4 Prozent mehr kostete als im Dezember 2009. Rohöl verteuerte sich im Dezember um 36,5 Prozent, Benzin und andere Mineralölprodukte um 33,8 Prozent sowie Rohgas um 31,2 Prozent. Im Nahrungsmittelsektor kletterten die Importpreise vor allem bei Rohkaffee (65,1 Prozent), Getreide (56,7 Prozent) und Rindfleisch (12,1 Prozent).

Im Jahresdurchschnitt erhöhten sich die Importpreise gegenüber 2009 um 7,8 Prozent und damit so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Steigende Einfuhrpreise könnten auch beim Endverbraucher für höhere Ausgaben sorgen: Unternehmen und Handel geben höhere Rohstoffpreise zumindest teilweise an die Verbraucher weiter. Auch bei den Exportgütern nahm der Preisauftrieb zu. Hier stiegen die Preise im Dezember im Jahresvergleich um 5,2 Prozent und im Monatsvergleich um 0,8 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2010 erhöhte sich das Preisniveau um 7,8 Prozent. Auch dies ist der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2000.

Unicredit-Analyst Andreas Rees ist überzeugt, dass der Inflationsdruck in Deutschland steigt. Zum einen seien die Rohstoffpreise zuletzt kräftig gestiegen. „Das trifft nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Nahrung und Energie, auch die Preise von Rohstoffen, die die Industrie braucht, stiegen entscheidend an.“

Die Daten deuten darauf hin, dass die Verbraucherpreise in den kommenden Monaten wieder etwas stärker steigen werden, wenn die Unternehmen die höheren Kosten für Importe auf ihre Kunden abwälzen. Für Januar rechnen Analysten mit einer Inflationsrate von 2,0 Prozent - es wäre die höchste seit Oktober 2008. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht nur bei Werten bis knapp unter zwei Prozent von stabilen Preise.

Führende Bankvolkswirte rechnen mit einem deutlich steigenden Preisniveau in Deutschland. Der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sagte: „Ein Anstieg der Inflationsrate in den nächsten zwei bis drei Jahren bis auf vier Prozent ist durchaus möglich.“ Deutschland wachse schneller als andere Euro-Staaten. Ein Grund für die höhere Inflation sei, dass die Europäische Zentralbank zu einer „lockeren Geldpolitik ohne große Zinserhöhungen gezwungen sein könnte“. Im vergangenen Jahr hatte die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt bei 1,1 Prozent gelegen.

Auch der Chefvolkswirt der Postbank, Marco Bargel, rechnet dem Bericht zufolge mit einem deutlich steigenden Preisniveau in Deutschland. Ein Anstieg der Inflationsrate auf vier Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren sei „durchaus realistisch“. Eine Inflationsrate in dieser Höhe könne es dann sogar „für mehrere Jahre“ geben, sagte Bargel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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