Teures Öl
Euro-Zone verzeichnet Rekordinflation

Hohe Preise für Sprit, Heizöl und Nahrungsmittel haben im vergangenen Monat die Teuerung in der Eurozone auf ein Rekordniveau getrieben. Für Deutschland rechnet der Bundesverband deutscher Banken angesichts der Finanzkrise und der hohen Inflation erst im kommenden Jahr mit einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage.

HB BERLIN. Explodierende Ölpreise haben für eine Rekordinflation im Euro-Raum gesorgt. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit so stark wie nie seit Beginn der Erhebung 1997, bestätigte das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Brüssel eine frühere Schätzung. Damit wurde der erst im Mai erreichte Höchststand von 3,7 Prozent übertroffen.

Größter Preistreiber waren einmal mehr Öl- und Spritpreise, nachdem ein Fass Rohöl am Monatsende mit knapp 143 Dollar so viel kostete wie nie zuvor. Damit hat sich der Preis innerhalb eines Jahres etwa verdoppelt. Auch zahlreiche Lebensmittel wurden spürbar teurer.

Die Inflationsrate liegt mittlerweile gut doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebt. Die Währungshüter sehen stabile Preise nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Sie hatten deshalb ihren Leitzins Anfang Juli von 4,0 auf 4,25 Prozent angehoben. Weitere Zinsanhebungen signalisierten die Notenbanker bislang nicht – zumal sich die Konjunktur wegen des hohen Ölpreises, den Folgen der Finanzkrise und der weltweiten Konjunkturabschwächung bereits abkühlt. Höhere Zinsen verteuern Kredite und können daher das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Massiv gestiegene Preise für Energie und Lebensmittel haben auch die Inflation in Deutschland im Juni so stark angeheizt wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. Die Verbraucherpreise stiegen um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, bestätigte das Statistische Bundesamt am Mittwoch seine erste Schätzung von Ende Juni. Das ist die höchste Teuerungsrate seit Dezember 1993 mit 4,2 Prozent.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet angesichts der Finanzkrise und der hohen Inflation erst im kommenden Jahr mit einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. „Derzeit wird die Wirtschaft von verschiedenen Kräften in die Zange genommen“, sagte BdB-Volkswirt Volker Hofmann der „Berliner Zeitung“.

„Neben der Finanzkrise und der schwachen US-Wirtschaft treiben die steigenden Rohstoffpreise die Inflation an“, erläuterte er. Mit einer Stabilisierung der Lage rechnet Hofmann deshalb erst 2009. Auch die Finanzkrise werde sich „noch einige Monate“ fortsetzen. Bis dahin werde sich die Weltwirtschaft merklich abkühlen. Zu einer Stagflation, also einer stagnierenden Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Inflation wie in den 1970er-Jahren werde es aber nicht kommen.

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