Thomas Mayer
„Am Ende könnte doch der Schuldenschnitt stehen“

Die EU will den "Pakt für den Euro" beschließen. Doch eine dauerhafte Basis für die Währungsunion gibt es immer noch nicht - das spüren auch die Märkte. Thomas Mayer, Chefsvolkswirt der Deutschen Bank, zeigt Lösungswege.
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FrankfurtHandelsblatt: Herr Mayer, morgen wird die Europäische Union den „Pakt für den Euro“ beschließen. Steht die Gemeinschaftswährung damit auf einem soliden Fundament?

Thomas Mayer: Leider noch nicht. Das grundlegende Problem der Vereinbarungen ist, dass sie für eine zukünftige Schuldenkrise gemünzt sind, aber offen lassen, was mit den in der Vergangenheit angehäuften Schuldenbergen geschehen soll, wenn der Mark eine weitere Finanzierung verweigert.

Handelsblatt: Seit fast einem Jahr kämpfen Regierungen und Notenbanken gegen die Eurokrise an. An den Anleihemärkten kann von Entspannung keine Rede sein. Was ist schief gelaufen im Krisenmanagement?

Mayer: Vielleicht sollte man erst einmal das Positive hervorheben. Die Politik und Notenbanken haben es geschafft, einen Herzstillstand in der Eurozone zu verhindern. Es drohte die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Die Politik reagierte mit einem schnellen Rettungspaket. Dann breitete sich die Eurokrise aus. Die Politik spannte einen beeindruckenden Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro auf. Dank der Eingriffe wurde die Zahlungsunfähigkeit eines souveränen Staates der EU mit all ihren katastrophalen Folgen für die gesamte Wirtschaft der Eurozone verhindert. Das sollte nicht unterschätzt werden.

Handelsblatt: Aber das Lösungskonzept war und ist doch immer das Gleiche: Schuldenprobleme werden mit neuen Schulden gelöst. Kann das funktionieren?

Mayer: In der Tat haben wir immer noch keine dauerhafte Basis geschaffen, auf der die Währungsunion stehen kann. Bislang haben wir nur Übergangslösungen und das spüren auch die Märkte. Das soll sich allerdings nun ändern.

Handelsblatt: Wie könnte eine tragfähige Lösung aussehen?

Mayer: Im Grunde genommen brauchen wir eine neue Institution, eine Art Europäischen Währungsfonds, der die Politik überwacht, frühzeitig Warnsignale aussendet, in Notfällen finanzielle Hilfen bereitstellt und die Anpassungsprogramme gestaltet.

Handelsblatt: Das wäre eine starke institutionelle Veränderung. Ist das realistisch?

Mayer: Viele Elemente, die ein solcher Währungsfonds haben müsste, sind ja mit der Flut der Ereignisse schon durchgesetzt worden, wenn auch in einer unkoordinierten Weise. Es wurden Anpassungsprogramme für die Krisenstaaten entwickelt und die wirtschaftliche Überwachung verbessert. Mit dem nun vorgeschlagenen European Stability Mechanism kommen wir der Idee des Europäischen Währungsfonds sogar sehr nahe.

Handelsblatt: Das Problem ist nur: Auch im neuen System überwacht nicht eine unabhängige Institution die Staaten, und entscheidet eventuell über Sanktionen. Sondern es sind die Regierungen selbst: Potentielle Sünder entscheiden also über aktuelle Sünder. Kann das gut gehen?

Mayer: Das ist in der Tat die weiterhin bestehende Achillesferse des erneut reformierten Stabilitäts und Wachstumspakt. Das gleiche gilt übrigens auch für den Pakt für den Euro.

Handelsblatt: Deutschland wird mit dem neuen Pakt nicht nur Garantien in Höhe von insgesamt 170 Milliarden Euro geben, sondern leistet für den neuen Rettungsfonds ab 2013 (ESM) auch eine Bareinlage über 20 Milliarden Euro. Befinden wir uns damit in der von vielen gefürchteten Transferunion?

Mayer: Nein, wir befinden uns in einer Art GmbH, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung füreinander. Wir haben festgestellt, dass die Gesellschaft mit Null-Haftung nicht funktioniert. Über die Limits der Haftung wird jetzt diskutiert. Dass wir unseren Einsatz erhöhen müssen, dass wir mehr Kapital in die GmbH einbezahlen müssen, daran besteht kein Zweifel. Aber wenn jetzt die Möglichkeit eines geordneten Insolvenzverfahrens unter Beteiligung des Staatssektors geschaffen wird, dann bleibt der Charakter der EWU als GmbH erhalten.

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  • Die europäische Währungsunion ist gescheitert, nur will es keiner der verantwortlichen EUromantikern zugeben.
    Viele Fachleute haben schon vor der Euro Einführung gewarnt.
    Der Fehler ist die Einheitswährung Euro selber!
    Eine einheitliche Währung für Volkswirtschaften mit so unterschiedlicher Produktivität, Ausrichtung, Leistungs- fähigkeit und bereitschaft ist ökonomisch gröbster Unsinn.
    Eine Währung hat die wichtige Funktion, Ungleichgewichte in den Außenbilanzen zwischen einzelnen Volkswirtschaften auszugleichen. Der Euro vernichtet dieses Basiselement. Deshalb muß die Anpassung über die Realwirtschaft, sprich Löhne und Preise, erfolgen. Die Folge sind Rezession, wegbrechen der Staatseinahmen, abhängigkeit der schwächeren Ländern von permanenten! Transferleistungen.
    Die EU Diktaturwährung TEuro, versklavt die freien Völker Europas, indem sie die einen zu Almosenempfängern degradiert und die anderen ausplündert.
    Der Euro ist ein frankensteinsches Monstrum, welches nur durch die Politik und unvorstellbare Mengen an Subventionen, siehe ESM, künstlich am Leben erhalten wird.
    Und dies alles zu Lasten des Steuerzahlers!
    Ein freies und gesundes Europa und auch Deutschland braucht keine Währungsunion!!
    Die Verletzung geltenden Rechts mit dem Bruch des Lissabon Vertrages gegen das "No Bail Out" Gesetz Art. 125 AEUV (früher Art. 103 EG) zeigt das wahre Gesicht der EU, die Recht beugt und Gesetze bricht und ändert wie es für sie gerade zweckmäßig ist.
    Über die mafiösen Strukturen innerhalb der EU die Korruption möglich machen (z. B. Ex-Ösi Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ! und andere bereits überführte und zurückgetretene ** Verbrecher) wollen wir hier erst gar nicht reden.
    Die EU ist eine despotische, undemokratische, ja diktatorische Organisationen; ohne jegliche demokratische Legitimierung der Bürger welche von dieser zur Erreichung eigenster Interessen ausgebeutet werden. Der Rettungsschirm ist Augenwischerei, er hilft den Ländern leider nicht wie man sieht!

  • Habe mir gerade auf dem Zensierten Dumm Fernsehn M. Illner angesehen.

    Dem CDU Heini Kampeter stand seine Ratlosigkeit wenn es um die Kernprobleme des Euros ging, gerade zu ins Gesicht geschrieben. Es fiel ihm sichtlich schwer, die Leute weiterhin mit Phrasen wie der Euro ist alternativlos, der Euro ist gut für "BRD", etc. ihr wißt schon, zu belügen. Deshalb ließ er sich wohl zu der einzig wahren Aüßerung verleiten: Der Euro ist ein POLITISCHES Projekt, herbeigeführt von den charakter- und heimatlosen EUrophilen der EinheitsbreiPar tei, welche anstatt für ein starkes Deutschland einzutreten, ihr Heil in der EU Diktatur suchen.

    Als dem grünen Spinner Giegold nichts mehr einfiel womit er hätte argumentieren können, wurde schnell die "Rechtspopuliste nkeule" bemüht um alle Kritiker der Diktatwährung mundtot zu schlagen. Im Anschluß die WelkriegII Keule aus der Ökobaumwolltrag etasche herausgezogen und losgebrabelt, die bösen Deutschen sollten mal wieder erinnern welche Schandtaten sie begangen hätten, wie gut die restliche Welt doch zu ihnen war, und daß die Deutschen doch dankbar sein sollen jetzt zurückzahlen zu dürfen.
    Anstatt die realen Probleme zu sehen die vom Euro ausgehen wird populistisch der deutsche Schuldkomplex bemüht.
    Wie krank muß so ein Hirn sein, oder wie oft wurde dieses Psychot im Kindergarten wohl verprügelt, daß so eine die Realitäten leugnende Persönlichkeit daraus werden kann.?
    Dieser Spinner kannte beim Reden weder Punkt noch Komma und ließ sich auch von der Moderatorin nicht bremsen, voll krank!
    Typischer überheblicher arroganter realitätsfremder grüner Oberlehrer.
    Leute, wer sowas wählt, ist verantwortungslos.
    Das muß man jedem mit dem man ins Gespräch kommt klar machen, was die "Grünen" und ihr Gedankengut wirklich sind. Es gibt viele Leute welche die Grünen nur als Naturschutz und Anti Atomkraft Partei sehen und diese deshalb wählen!

  • Das soll ich hier jetzt Glauben. Es wird ueber Umschuldung gesprochen - und der Chefvolkswirt der Deutschen Bank spricht nicht mal an was dann geschehen wuerde:

    Riesengewinne fuer Credit Default Swaps Besitzer, die mit diesen Derivaten genau auf eine Pleite Greichenlands gesetzt haben. Wenn der das nicht weiss, wird es Zeit fuer einen neuen Chefoekonom.

    Warum wirds es nicht angesprochen, oder mal das Verbot von CDS gefordert? Das wurde die Krise beenden.

    Achso, ja, die Deutsche Bank ist eine der Banken die gewaltig mit CDS handeln, und damit einen Gewinn machen.

    So eine Berichterstattung ist so unglaubwuerdig wie eine weinselige Beteuerung Bruederles, es handele sich um einen Protokollfehler!

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