Thomas Mayer:: „Die Euro-Krise ist nicht vorbei“

Thomas Mayer:
„Die Euro-Krise ist nicht vorbei“

Spaniens Premier Zapatero muss ein neues Sparpaket durch das Parlament bringen, Portugal kommt bei der Konsolidierung kaum voran und Irland hat nach ersten Erfolgen einen Rückschlag erlitten. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer spricht im Interview über einen heißen Herbst - und fordert ein Insolvenzverfahren für Euro-Staaten.
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Handelsblatt: Herr Mayer, hat die Euro-Zone die Krise überstanden?

Thomas Mayer: Die Märkte glauben das nicht. Die Risikoaufschläge auf die Staatsanleihen Spaniens, Portugals und Irlands haben sich im August wieder erhöht. Der Geldmarkt ist weiter auf die Stützungsmaßnahmen der EZB angewiesen.

Wieso regt das keinen mehr auf?

Der 750 Mrd. Euro schwere Rettungsschirm für wankende Euro-Länder hat die Lage vorübergehend beruhigt. Außerdem haben die Märkte ihr Augenmerk auf den Dollar gelenkt wegen der Rezessionsängste in den USA.

Ist das nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm in Europa?

Ja, wir müssen uns auf einen heißen Herbst einstellen. In Spanien muss Premier Zapatero ein neues Sparpaket durchs Parlament bringen. Die Gefahr ist groß, dass er dabei scheitert. Portugal ist mit der Haushaltskonsolidierung kaum vorangekommen. Irland hat nach anfänglichen Erfolgen einen Rückschlag erlitten. Das Risiko ist groß, dass eines der drei Länder dem Euro-Rettungsfonds in den Schoß fällt - vielleicht sogar schon dieses Jahr.

Würden Kredite aus dem Euro-Rettungsfonds ausreichen, um ein Land vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren?

Sicher ist das nicht. Der Fonds gibt nur Überbrückungskredite in einer Liquiditätskrise. Auf einen Staatsbankrott ist die Euro-Zone überhaupt nicht vorbereitet.

Bundesfinanzminister Schäuble hat deshalb ein geordnetes Insolvenzverfahren für Euro-Staaten verlangt ?

? was ich völlig richtig finde. Dafür bekommt er allerdings weder von den Euro-Partnerstaaten noch von der EZB Unterstützung.

Was würde geschehen, wenn ein Euro-Staat ohne geordnetes Verfahren pleitegeht?

Es gäbe drei Alternativen - und alle wären schlecht. Erstens: Die EU tut gar nichts und lässt das Land allein. Die Staatsanleihen dieses Landes würden dann wertlos, und die Euro-Zone würde in eine schwere Finanzkrise stürzen, vergleichbar mit dem Zusammenbruch der Lehman-Bank. Zweitens: Die Euro-Zone übernimmt die Schulden des Pleite-Staates. Dann hätten wir endgültig die Transfer-Union - was eindeutig gegen den Maastrichter Vertrag verstieße. Drittens: Die EZB kauft die Anleihen des Pleite-Staates auf, womit sie die Währungsunion in eine lebensbedrohliche Lage brächte.

Die EU kommt um das staatliche Insolvenzverfahren also nicht herum?

Nein. Die nächste Krise wird es erzwingen. Das bedeutet, dass die Banken und alle anderen Gläubiger des Pleite-Staates auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Thomas Mayer:: „Die Euro-Krise ist nicht vorbei“"

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  • Man sollte nicht retten, was nicht zu retten ist.

    Seid sparsam und vorsichtig!

  • @Nase: "....deutsche Autorität um Ängste und schüren".
    Dies sind klare Fakten, bekannt auf allen Finanzmaerkten der Welt. Aber ueber Fakten und Realitaeten darf man in Deutschland nicht so ohne weiteres offen diskutieren.

    Die Umschichtung und Erneuerung von Krediten wird sich in den kommenden Jahren noch verschaerfen, besonders wenn keine Verbesserung der Wirtschaftslage in Aussicht ist.

  • immer wenn sich der € anfängt ein bisschen zu erholen taucht pünktlich eine deutsche Autorität um Ängste und schüren..... Schön zu sehen das alle an einem Strang ziehen um die Exportorgie aufrecht zu erhalten.
    Wie dem auch sei hat Europa noch eine längere Durststrecke vor sich. Ach ja, informieren Sie sich bitte wie viel sich Deutschland an Exportgeschäften innerhalb der EU an die sogenanten PiGS bereichert hat. Ach ja, das interesiert keinen mehr....

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