Tiefster Stand seit 15 Jahren
Wirtschaftsstimmung in Euro-Zone stürzt ab

Die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern in der Euro-Zone hat sich unter dem Eindruck der Finanzkrise dramatisch verschlechtert. Der EU-Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung sackte auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren ab. Der Vertrauensverlust zog sich quer durch alle Branchen.

BRÜSSEL. Das Stimmungsbarometer rutschte um 7,1 auf 80,4 Punkte ab und damit so stark wie noch nie innerhalb eines Monats, teilte die EU-Kommission mit. Das Barometer fiel zugleich auf den niedrigsten Wert seit 1993. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich einen Rückgang auf 86,0 Punkte erwartet.

Der Vertrauensverlust zog sich quer durch alle Branchen. Bei den Dienstleistern wurde der niedrigste Wert seit Umfragebeginn ermittelt. Auch in der Industrie und im Bausektor brach die Stimmung ein, beide Teilindizes hielten sich aber deutlich über den 1992 bzw. 1993 verzeichneten Tiefstständen. Die Verbraucher sind so pessimistisch wie seit knapp 15 Jahren nicht mehr.

Auch das separat ermittelte Geschäftsklima trübte sich deutlich ein. Es sank von minus 0,82 auf minus 1,34 Punkte. Ähnlich schlechte Werte wurden zuletzt 2001 erreicht. Das deute auf eine gedämpfte Industrieproduktion hin, hieß es.

Für Deutschland fiel der Index im Oktober um 4,8 auf 88,6 Punkte. Für Frankreich sackte der Index um 6,5 Punkte auf 86,5, für Italien um 6,1 Punkte auf 82,1 Zähler und für Spanien um 3,5 auf 66,1. Für die Niederlande wurde ein Minus von 11,3 Punkten gemeldet. Die Zuversicht der Industrie in der Eurozone fiel auf minus 18 von minus zwölf im Vormonat. Volkswirte hatten einen Rückgang auf lediglich minus 14 erwartet. Für die gesamte Union wurde ein Sinken auf minus 19 von minus 13 im Vormonat berichtet.

Beim Verbrauchervertrauen für den gemeinsamen Währungsraum, das 20 Prozent des Gesamtindex ausmacht, wurde ein Indexrückgang auf minus 24 (Vormonat: minus 19) gemeldet. Ökonomen hatten mit einer Eintrübung auf minus 20 gerechnet. Für die gesamte EU belief sich dieser Index auf minus 23 (minus 19).

In der Eurozone sackte der Stimmungsindex für den Einzelhandel im Oktober auf minus 13 (Vormonat: minus 8) und der für den Dienstleistungssektor auf minus sechs (Vormonat: 0) sowie der Index für die Bauwirtschaft auf minus 20 (minus 16). Beim Industrievertrauen wurde für Deutschland eine Eintrübung auf minus 18 (minus 11) ausgewiesen. Für Frankreich sank der entsprechende Index auf minus 19 (minus 14). Das Verbrauchervertrauen fiel in Deutschland auf minus zwölf (minus 9) und in Frankreich auf minus 32 (minus 24).

Eurostat verwies zudem darauf, dass der im Sammelindex der Wirtschaftsstimmung nicht enthaltene Stimmungsindex der Finanzdienstleister im Oktober ebenfalls sowohl in der Eurozone als auch in der EU stark gesunken sei. Er liege in der Eurozone mit minus fünf und in der EU mit minus vier jeweils auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Umfrage 2006. Die vierteljährliche Umfrage im verarbeitenden Gewerbe zeige zudem, dass die Kapazitätsauslastung sowohl im Euroraum als auch in der gesamten EU im vierten Quartal stark gesunken sei. Sie liege nun in der Eurozone mit 81,6 Prozent (Vorquartal: 82,8 Prozent) und in der EU mit 80,9 Prozent (82,8 Prozent) unter dem langjährigen Durchschnitt.

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