„Transition Report“
Kreditkrise trifft auch Osteuropa

Auf die Reformstaaten in Osteuropa und Zentralasien kommen härtere Zeiten zu. Für das laufende Jahr rechnet die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zwar noch einmal mit einem Rekordwachstum, doch ab 2008 müssen sich die Länder auf Rückschläge durch die Kreditkrise an den weltweiten Kapitalmärkten gefasst machen.

LONDON. Noch wachsen die Reformstaaten in Osteuropa und Zentralasien. Doch ein Rückschlag ist in Sicht. Zu diesem Schluss kommt der jährliche „Transition Report“, der so genannten Osteuropabank, die den wirtschaftlichen Umbau der Region als größter öffentlicher Investor vorantreibt.

Die EBRD war 1991 vor allem gegründet worden, um die neu entstehende Privatwirtschaft in Mittel- und Osteuropa zu unterstützen. Zu ihren Anteilseignern gehören 60 Länder. In den vergangenen Jahren hat sich der Schwerpunkt der Tätigkeit immer weiter von Mitteleuropa nach Osten in Richtung Zentralasien verschoben.

2007 prognostiziert EBRD-Chef-Volkswirt Erik Berglof für die Staaten, in denen die Osteuropa-Bank tätig ist, ein Durchschnittswachstum von sieben Prozent, das wäre noch einmal eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr und damit ein neuer Rekord. Für 2008 rechnet die EBRD allerdings mit einer spürbaren Abkühlung. Im Durchschnitt soll das Wachstum in den Reformstaaten dann auf 6,1 Prozent sinken.

Für die befürchtete Abkühlung des Wachstumsklimas macht die Osteuropabank vor allem die Subprime-Krise in den USA verantwortlich, die zu Verwerfungen an den weltweiten Kreditmärkten geführt hat. Bislang hätten die Reformländer die Turbulenzen an den Kreditmärkten zwar überraschend gut weggesteckt, doch in den kommenden Monaten drohe die Krise ihren Tribut zu fordern.

Berglof rechnet mit weiter steigenden Risikoaufschlägen für die Aufnahme ausländischen Kapitals und höheren Zinsen im Inland, mit entsprechend negativen Folgen für Konsum, Investitionen und Wachstum. Dass werde in einigen überhitzten Volkswirtschaften der Region für eine willkommene Abkühlung sorgen. Ländern, die besonders stark vom Zufluss ausländischen Kapitals abhängig sind, drohe dagegen ein schmerzhafter wirtschaftlicher Rückschlag. Seit Beginn der Krise stiegen die Risikoaufschläge für Anleihen aus Staaten wie Russland oder der Ukraine deutlich an. Für andere Reformländer war der Eurobondmarkt im Juli und August dieses Jahres sogar quasi ganz geschlossen.

In den vergangenen Jahren hätten immer mehr Staaten in der Region ihre Finanzmärkte liberalisiert. Diese neue Offenheit verstärke jetzt allerdings die Gefahr einer Ansteckung durch die Finanzkrise, warnt die EBRD. Dazu kommt die Befürchtung, dass die Investoren sich in Zukunft bei Anleihen aus den Reformländern auf kürzere Laufzeiten beschränken, und damit vor allem für die Banken in der Region ein Problem entsteht, weil sie langlaufende Verbindlichkeiten zunehmend mit kurzfristigen Mitteln refinanzieren müssen.

Die akutesten Probleme sieht die EBRD derzeit in Kasachstan. Dort seien die Zinsen ebenso wie in Russland und Lettland seit Ausbruch der Krise massiv gestiegen. Erst gestern warnte die Ratingagentur Moody’s vor Problemen bei der Refinanzierung für kasachische Banken. Auch die Defizite in der Handelsbilanz der baltischen Staaten sehen die Investoren zusehends mit Sorge. Daneben warnt EBRD-Chefvolkswirt Berglof vor negativen Auswirkungen der Kreditkrise auf die Wirtschaft von Ländern in Südost-Europa wie Ungarn, Rumänien und Serbien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%