Trauma nach missglückter IWF-Kandidatur
Koch-Weser geht als Favorit ins Rennen

Dem Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser, werden derzeit die besten Chancen eingeräumt, die Nachfolge von Bundesbankpräsident Ernst Welteke anzutreten. Von Koch-Weser selbst, der 1944 in Brasilien geboren wurde, ist dazu kein Sterbenswörtchen zu hören.

BERLIN. Das verwundert nicht, schließlich ist er ein gebranntes Kind. Im Jahr 2000 konnte sich die Bundesregierung nicht mit ihrem Vorhaben durchsetzen, Koch-Weser an die Spitze des Internationalen Währungsfonds zu hieven. Erst der deutsche Kandidat Horst Köhler fand den Segen der USA. Bereits 1997 wurde der studierte Volkswirt als Chef der Osteuropabank gehandelt. Auch damals ging er leer aus.

Sein Selbstbewusstsein hat darunter nicht gelitten. Koch-Weser präsentiert sich stets als ein mit allen Finanz-Finessen vertrauter Experte, der sich auf der Weltbühne zu bewegen weiß. Für den Top-Job bei der Bundesbank bringt Koch-Weser alle erdenklichen Qualitäten mit. Seit März 1999 ist er unter Bundesfinanzminister Hans Eichel für die nationale und internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik verantwortlich. Der vielsprachige Familienvater erweist sich als Strippenzieher, wenn es um die Vorbereitungen der G8-Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure geht. Dabei kann er auch in Hintergrundgesprächen zu heißen Eisen schweigen, wenn es etwa um die richtige Währungsrelation von Dollar und Euro geht. In seinem Element ist Koch-Weser, wenn es um die Entwicklung und Stärkung der institutionellen Voraussetzungen für stabile und effiziente Finanzsektoren geht.

Dass es ihm damit ernst ist, hat der parteilose, doch der SPD nahe stehende Politiker in Deutschland selbst bewiesen. Sein Vorschlag, über die Struktur der deutschen Bankenlandschaft nachzudenken, die durch das Nebeneinander von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken gekennzeichnet ist, hat für ein großes Medienecho gesorgt. Der öffentlich-rechtliche Sparkassensektor reagierte ausgesprochen ungehalten über den Vorschlag, doch künftig säulenübergreifende Fusionen näher ins Auge zu fassen. Mit der Untersagung des Verkaufs der Stralsunder Sparkasse ist diese Initiative zunächst im Sand verlaufen. Seitdem zweifelt der Sparkassensektor allerdings daran, ob Koch-Weser noch der richtige Interessenvertreter Deutschlands für die öffentlich-rechtlichen Institute in der EU ist. Andererseits sprach sich auch die Bundesbank für Reformen im deutschen Bankensektor aus. Hier könnte Koch-Weser also in neuer Funktion nahtlos anknüpfen.

Dass der Finanzexperte jedoch nicht nur die Probleme der Industrieländer im Auge hat, bewies er mit seinem Engagement für die Schuldeninitiative für die ärmsten Länder der Welt. Gleichzeitig konnte er sich nicht richtig mit dem IWF-Vorhaben anfreunden, eine Art Insolvenzrecht für Staaten einzuführen. Maßgeblichen Anteil hatte Koch-Weser an der Gründung der G20-Gruppe im Jahr 1999, die die 20 größten Industrieländer weltweit umfasst. Zwar hat dieser informelle Kreis keine Entscheidungsbefugnis, doch das Arbeitsprogramm unter deutschem Vorsitz ist ehrgeizig. Fortschritte will Koch-Weser bei der Krisenprävention und der Krisenlösung sehen.

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