Traurige Statistik
Pleitenwelle rollt weiter über Deutschland

Mit fast 40 000 erreichte dem Statistischen Bundesamt zufolge die Zahl der Firmenpleiten einen neuen Höchststand. Der Wert lag 4,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Insgesamt haben Konjunkturflaute und geänderte Rechtslage die Zahl der Insolvenzen von Firmen und Privatpersonen 2003 auf mehr als 100 000 steigen lassen.

HB FRANKFURT. Der stärkste Zuwachs wurde bei den Verbraucherinsolvenzen verzeichnet, die um 56,8 % auf knapp 34 000 stiegen. Wegen der Überschuldung von etwa drei Mill. Haushalten werde sich dieser Trend forsetzen, sagte der Präsident des Statistikamts, Johann Hahlen, am Donnerstag in Frankfurt. Bei den Unternehmen erwartet er dagegen eine allmähliche Besserung: „Wir gehen von einer Beruhigung des Insolvenzgeschehens in diesem Jahr aus.“

Nach der Statistik gingen vor allem kleine und mittlere Unternehmen pleite, während anders als 2002 nur wenige große und bekannte Unternehmen insolvent wurden. Nach der Baufirma Holzmann und dem Medienkonzern Kirch 2002 traten im vergangenen Jahr etwa der Elektronikhersteller Grundig und die Fluggesellschaft Aero Lloyd den Gang zum Insolvenzrichter an. Dennoch sind die Folgen der Zusammenbrüche Hahlen zufolge gravierend. Rund 220 000 Arbeitnehmer verloren dadurch 2003 ihren Arbeitsplatz nach 270 000 im Vorjahr. Die Gläubiger blieben auf Forderungen über 42 Mrd. € sitzen im Vergleich zu 62 Mrd. 2002.

Auch bei den Neugründungen lag das Schwergewicht bei Kleinbetrieben. Dabei machen sich nach Hahlens Worten die im vergangenen Jahr eingeführten Ich-AGs deutlich bemerkbar. Die hohe Insolvenzzahl der kleinen Unternehmen sei damit aber nicht vollständig zu erklären. Viele von den Firmen, die sich nach kurzer Zeit als unrentabel erwiesen, verschwänden wahrscheinlich ohne den Gang zum Insolvenzrichter vom Markt. Das Auf und Ab in der Pleitenstatistik hängt nach Einschätzung der Experten eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammen. Auch in der Vergangenheit stiegen die Konkurse im Gefolge konjunktureller Schwächephasen an. Da dies stets mit einer zeitlichen Verzögerung der Fall sei, eigne sich die Insolvenzstatistik nicht als Frühindikator für die Konjunktur.

Sehr viel Arbeit kam auf die Gerichte zu, seit das neue Insolvenzrecht für Verbraucher 1999 eingeführt wurde. Die Zahl der Fälle hat sich seither verzehnfacht. Einen zusätzlichen Schub gab es Hahlen zufolge ab Ende 2001 - seither können sich Privatpersonen die Verfahrenskosten stunden lassen, so dass die Kosten einer Insolvenz nicht mehr so hoch sind. Eine amtliche Statistik über die Verschuldung der Verbraucher gibt es bisher noch nicht. Das Amt prüfe derzeit, eine solche Erfassung bei den Schuldnerberatungsstellen einzuführen.

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