Trendwende am Arbeitsmarkt: Rentner stützen den Konsum

Trendwende am Arbeitsmarkt
Rentner stützen den Konsum

Der deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit zu Jahresbeginn stellt die Konsumlaune der Arbeitnehmer auf die Probe: Obwohl der Konjunktureinbruch immer neue Negativmeldungen produziert, entwickelten sich Einzelhandelsumsätze und Konsumklima-Indikatoren bis in die jüngste Zeit unverhofft stabil.

BERLIN. Die Neigung zu größeren Anschaffungen stieg nach den soeben veröffentlichten Daten des Marktforschungsunternehmens GfK im Januar sogar noch an. Nun aber wachsen die Zweifel, wie lange dieser Effekt noch vorhält.

Einig scheinen sich die meisten Ökonomen darin, dass der in langfristiger Perspektive trotzdem schwache private Konsum die Wirtschaft kaum aus der Flaute ziehen kann: „Die Angst vor Arbeitslosigkeit hat sich noch immer als Konsumbremse herausgestellt“, warnen selbst die GfK-Forscher vor zu kühnen Hoffnungen. Voreilig erscheinen umgekehrt aber auch Befürchtungen, die Trendwende am Arbeitsmarkt werde auf der Seite der Verbraucher einen regelrechten Umschwung mit sich verstärkender Eigendynamik auslösen.

Unterm Strich werde der private Verbrauch für die Konjunktur auf absehbare Zeit zumindest „ein stabilisierendes Moment sein, wenn auch kein positiver Impuls“, erwartet Roland Döhrn, Chef des Bereichs Wachstum und Konjunktur am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Die Überlegung dabei: Zwar wird die Summe der Arbeitseinkommen bei steigender Arbeitslosigkeit einen deutlichen Dämpfer erfahren. Doch zugleich werden nicht nur die direkt konsumfördernden Maßnahmen des neuen Konjunkturpakets in die Gegenrichtung wirken. Allein schon die 18 Millionen Rentner, deren Bezüge grob ein Fünftel der verfügbaren Einkommen ausmachen, hätten ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht in der Hand, argumentiert Döhrn.

Tatsächlich wird die Rentenanpassung im laufenden Jahr mit voraussichtlich mehr als zwei Prozent so hoch ausfallen wie seit Jahren nicht mehr. Umso entscheidender werde daher sein, dass sich mit den Rentnern nicht auch solche Konsumenten von einer Verunsicherung anstecken lassen, die objektiv gar keinen direkten Grund dazu hätten, betont Döhrn.

Am Arbeitsmarkt selbst ist einstweilen keine Besserung in Sicht. „Es gibt keine guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt“, fasst der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, die Lage zusammen. Zwar war die Zahl der Erwerbslosen im Januar noch immer um 170 000 geringer als zwölf Monate zuvor. Im Dezember lag die Differenz zum Vorjahresmonat aber noch bei gut 300 000. Setzt sich die Tendenz so fort, dürfte die Arbeitslosigkeit daher bereits im Februar oder März erstmals seit Amtsantritt der Großen Koalition wieder höher ausfallen als im entsprechenden Vorjahresmonat.

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