Trichet: Prognosen bestätigt
Wachstumstempo in Euro-Zone zieht an

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist nach vorläufigen Berechnungen im ersten Quartal so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr.

HB BRÜSSEL. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe sich von Januar bis März um 0,6 Prozent zum Vorquartal und um 1,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum erhöht, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis einer Schnellschätzung mit. Die Erwartungen von Volkswirten wurden damit etwas übertroffen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bekräftigte, die Daten bestätigten die Annahme der EZB, die auf eine allmähliche Erholung setzt. Die Zentralbank wird nach Einschätzung von Anaylsten noch länger an ihrem Leitzins von 2,00 Prozent festhalten.

Analysten bezeichneten die leichte Beschleunigung der im vergangenen Jahr begonnen Konjunkturerholung als ermutigend. „Der globale Aufschwung ist endlich in der Euro-Zone angekommen“, sagte Thomas Hueck, Volkswirt von der HypoVereinsbank. Die Experten warnten zugleich aber, die Wirtschaft sei noch zu stark von den Ausfuhren abhängig und müsse noch mehr Eigendynamik entwickeln.

In den vergangenen Tagen hatten bereits die vorläufigen Wachstumszahlen aus Frankreich, Deutschland und Italien, den drei größten Ländern des Währungsgebiets, für eine angenehme Überraschung gesorgt. Deutschland und Italien hatten mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent zum Vorquartal die Erwartungen übertroffen, Frankreich lag mit 0,8 Prozent an der Spitze. Von Reuters befragte Analysten hatten deshalb ihre Prognose für die Euro-Zone von ursprünglich 0,4 Prozent am Donnerstag bereits auf 0,5 Prozent nach oben korrigiert.

Die Konjunkturerholung hat sich damit im ersten Quartal leicht verstärkt. Die Zuwachsrate für das vierte Quartal 2003 revidierte Eurostat auf 0,4 von 0,3 Prozent nach oben. Die Europäische Kommission erwartet eine weitere schrittweise Beschleunigung des Wachstums. Die Behörde behielt für das zweite Quartal ihre Prognose eines Zuwachses von 0,3 bis 0,7 Prozent zum Vorquartal bei. Die Vorhersage für das dritte Quartal erhöhte die Kommission um einen Zehntel-Prozentpunkt auf 0,4 bis 0,8 Prozent. Im Vergleich zu den USA nimmt sich das bescheiden aus. Für die USA legte Eurostat vergleichbare Daten vor, denen zufolge das BIP im ersten Quartal um 1,00 Prozent zum vorangegangenen Vierteljahr zulegte und eine Jahresrate von 4,9 Prozent erreichte.

Noch immer herrscht Skepsis, ob die wirtschaftliche Belebung in der Euro-Zone von Dauer sein wird. „Die Zahlen sind gut, aber man muss vorsichtig bleiben, weil nicht klar ist, ob das nur eine passive Reaktion auf das weltweite Wachstum ist“, sagte Rob Carnell von der Commonwealth Bank of Australia. Die Inlandsnachfrage, die für ein tragfähiges Wachstum anspringen müsste, sei mit Ausnahme Frankreichs dagegen schwach geblieben.

Auch Marc Ostwald von Monument Securities in London gab zu bedenken, die Dynamik des Welthandels könne nachlassen, da sich die boomende Wirtschaft Chinas abkühlen könnte. Eine genauere Aufschlüsselung der Wachstumsbeiträge gibt Eurostat erst in den kommenden Wochen bekannt.

Der Druck auf die EZB, die Zinsen erneut zu senken, nimmt den Analysten zufolge angesichts der allmählichen konjunkturellen Besserung ab. „Bei diesen Daten wird eine Zinssenkung immer unwahrscheinlicher“, sagte Carsten Fritsch, Währungsanaylst von der Commerzbank. Andererseits kann sich die Zentralbank mit einer ersten Zinserhöhung nach dem langen Zinssenkungszyklus von Mai 2001 bis Juni 2003 mindestens noch bis zum Ende dieses Jahres Zeit lassen. EZB-Präsident Trichet hatte zuletzt unterstrichen, dass die Notenbank sich mit ihrer Geldpolitik in keine Richtung festlegt und die Lage weiter abwartend beobachtet. „Wir glauben, dass die schrittweise Erholung Gestalt annimmt“, sagte Trichet bei einer Veranstaltung in Schierensee in Schleswig-Holstein. Dies hätten die Daten der vergangenen Tage bestätigt. „Wir müssen unsere Einschätzung nicht wieder ändern.“

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