Trichet-Statement
EZB deutet Zinserhöhung im Juni an

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat indirekt für Anfang Juni eine Zinserhöhung angekündigt: Bankchef Jean-Claude Trichet gebrauchte einen Schlüsselbegriff, mit dem die EZB gewöhnlich Zinserhöhungen ankündigt. Analysten haben daher schon eine weitere Zinserhöhung für September im Blick.

HB DUBLIN. Trichet sprach am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rats in Dublin von „hoher Wachsamkeit“, auf die es wegen weiter bestehender Inflationsrisiken ankomme. Damit gebrauchte er einen Schlüsselbegriff, mit dem die EZB jeden der bisher sieben Zinsschritte einen Monat im Voraus signalisierte. Bei seiner auswärtigen Ratssitzung hatte der Rat den Leitzins von 3,75 Prozent wie erwartet unverändert gelassen.

Der Aufschwung im Euro-Raum sei solide, und die Wirtschaft könne weiter nachhaltig wachsen, sagte Trichet auf der Pressekonferenz. Zugleich gebe es weiter Risiken für die Preisstabilität, diese gingen vor allem von kräftigen Lohnerhöhungen im Euro-Raum aus. „Der EZB-Rat wird weiter hoch wachsam sein, um sicherzustellen, dass die Risiken für Preisstabilität nicht eintreten.“

Analysten sagen einhellig eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent im Juni voraus. Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort meinte, Daten wie die Geldmenge, die Beschäftigung und die Kapazitätsauslastung würden so robust bleiben, so dass die EZB keine baldige Entwarnung für die Inflationsrisiken geben könne. Daher sei nach dem Zinschritt im Juni von einem weiteren im September auszugehen. Eine Befragung von 80 Analysten durch die Nachrichtenagentur Reuters ergab eine knappe Mehrheit für eine weitere Zinserhöhung auf dann 4,25 Prozent.

Robustes Wachstum, der erneute Ölpreisanstieg und höhere Lohnabschlüsse als in den vergangenen Jahren halten die Währungshüter in Alarmstimmung über Inflationsgefahr. Zudem wuchs die Geldversorgung der Wirtschaft trotz Zinserhöhungen zuletzt mit über zehn Prozent so stark wie seit 24 Jahren nicht mehr. Der Trend eines anhaltend starken Geldmengenwachstums sei ein klarer Hinweis auf längerfristige Inflationsrisiken, sagte Trichet.

Einen Anstieg der Inflationsrate versucht auch die britische Notenbank einzudämmen. Die Bank von England hob den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent an, das höchste Niveau seit sechs Jahren. Die Inflationsrate liegt derzeit bei 3,1 Prozent, während die Zentralbank den Preisanstieg auf zwei Prozent begrenzen will.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve gab unterdessen kein Signal, dass sie bald den Leitzins senken würde, wie es die Finanzmärkte erwarten. Die Fed hatte die Zinserhöhungsrunde vor knapp einem Jahr mit einem Tagesgeld-Zielsatz von 5,25 Prozent ausgesetzt. In ihrer Erklärung nach dem Zinsbeschluss am Mittwochabend bezeichneten die Währungshüter die Inflation weiter als ihre Hauptsorge.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%