Trotz aller bestehenden Risiken - Monatsbericht
EZB setzt weiter auf Konjunkturerholung

Trotz einiger Schwächeanzeichen der Konjunktur hält die Europäische Zentralbank (EZB) an der Erwartung einer fortgesetzten wirtschaftlichen Belebung fest. Es gebe derzeit keine Anzeichen, die gegen die Einschätzung eines anhaltenden, wenn auch moderaten Wachstums sprächen, heißt es im Vorwort des am Mittwoch veröffentlichten EZB-Monatsberichts April.

HB FRANKFURT. „Was die weitere Zukunft betrifft, so sind die Voraussetzungen für eine im Jahresverlauf anhaltende und weiter zunehmende Erholung nach wie vor gegeben.“ Nach einigen schwachen Konjunkturdaten war in den vergangenen Wochen der Druck auf die EZB gewachsen, die Wirtschaftserholung mit einer weiteren Zinssenkung zu stützen.

Die Zentralbank hatte den Leitzins vergangene Woche aber erneut unverändert bei 2,00 % gelassen, obwohl EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und andere EZB-Ratsmitglieder zuvor den Anschein erweckt hatten, eine Zinssenkung in Betracht zu ziehen. Trichet hatte auf der anschließenden Pressekonferenz verdeutlicht, dass sich die EZB auch alle Optionen in der Zinspolitik offen hält. „Wir tendieren nicht in eine bestimmte Richtung. Aber wir können das ändern“, hatte er gesagt, ohne sich festzulegen, ob eine Änderung eine Zinssenkung oder eine Zinserhöhung sein könnte. Bei weiteren schwachen Konjunkturdaten rechnet eine wachsende Minderheit unter den von Reuters befragten Bankvolkswirten mit einer geldpolitischen Lockerung im Mai oder Juni.

Anders als bisher bezeichnete Trichet so wie jetzt auch im EZB-Monatsbericht die Risiken für das Wachstumsszenario nicht mehr als ausgeglichen. Neben den globalen Ungleichgewichten, die zu einem erneuten Einbruch des Dollar-Kurses führen könnten, weist die EZB auf die Schwäche des Privatverbrauchs hin. Zugleich wiederholte sie im Monatsbericht die Zuversicht, dass die höheren Realeinkommen zu mehr Ausgaben der Verbraucher führen würden. Da die vergangenen Euro-Aufwertung den Anstieg der Öl- und anderen Rohstoffpreise dämpft, stehen der EZB zufolge die Aussichten für die Preisentwicklung auf mittlere Sicht in Einklang mit Preisstabilität.

Als Zeichen für die Aufgeschlossenheit der EZB gegenüber einer Zinssenkung hatten Analysten auch den Umstand gewertet, dass die EZB nicht länger das gegenwärtige Zinsniveau als angemessen bezeichnete. Trichet hatte jedoch davor gewarnt, sich zu sehr auf einzelne Worte zu fixieren und sie überzuinterpretieren. Zuletzt hatten auch der portugiesische Notenbankchef Vitor Constancio und das designierte EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo moniert, die Finanzmärkte achteten zu sehr auf einzelne Worte statt auf die Wirtschaftsdaten. Bisher hatte das Erwähnen des Wortes „angemessen“ als ein Signal gegolten, dass die EZB nicht nur zur aktuellen Entscheidung, sondern auch in der Zukunft das gegebene Zinsniveau beibehalten will.

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