Trotz Aufwärtstrend
Deutsche Wirtschaft hält Jobabbau für unvermeidbar

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich aufgehellt. Das geht aus der alljährlichen Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 44 großen Branchenverbänden hervor, die am Dienstag in Köln veröffentlicht wurde. Trotz besserer Geschäftsaussichten rechnen die meisten Wirtschaftsbranchen 2010 mit einem Stellenabbau.
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HB BERLIN. Zwar erwarten 20 von 44 Verbänden ein Umsatz- oder Produktionsplus, wie das IW mitteilte. Dennoch halten 27 Branchen einen Arbeitsplatzabbau für kaum vermeidbar. Als einzige Branche geht die Lederindustrie von einer steigenden Beschäftigung in ihren Betrieben aus. "Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist nach wie vor nicht überwunden und wird auch im nächsten Jahr einige Branchen noch hart treffen", sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, erwartet deshalb einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Die schlechte Nachricht besteht darin, dass wir rund 500 000 Arbeitslose mehr bekommen werden als im Jahr 2009", sagte Franz im SWR. "Insgesamt rechne ich für 2010 mit einer durchschnittlichen Anzahl von registrierten Arbeitslosen in der Größenordnung von vier Millionen."

Ungeachtet der besseren Konjunkturlage will sich die große Mehrheit der Wirtschaftszweige mit Investitionen zurückhalten. Elf Branchen wollen weniger Geld ausgeben, nur neun rechnen mit steigenden Ausgaben. Damit blieben die Aussichten für den Arbeitsmarkt unsicher. "Die Unternehmen konnten lange Zeit mit flexiblen Arbeitszeitkonten sowie Kurzarbeit ihre Beschäftigten halten und werden dies auch im kommenden Jahr versuchen", sagte Hüther. "Sollten die Erwartungen allerdings weiter einbrechen, werden viele Unternehmen nicht um einen Arbeitsplatzabbau herumkommen."

Der IW-Direktor warnte aber gleichzeitig vor Schwarzmalerei. Ziehe die internationale Konjunktur schneller und deutlicher an als bisher erwartet, könnte auch die exportabhängige deutsche Wirtschaft stärker als andere Länder auf den internationalen Märkten punkten und damit die Krise überwinden.

Auch sei die Stimmung wesentlich besser als vor einem Jahr, als die Finanzkrise einen neuen Höhepunkt erreichte: 27 der 44 Verbände gaben an, die Unternehmen ihrer Sparte seien optimistischer als vor Jahresfrist. Nur zehn bewerteten die Situation als ungünstiger. Bei der Vorjahresumfrage hatte kein einziger Verband von einer verbesserten Lage berichtet. IW-Direktor Hüther sagte dazu, "insgesamt scheint das Gröbste überstanden, und die meisten Branchen sehen wieder einen Aufwärtstrend".

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  • bessere Geschäftsaussichten ?
    Wie geblendet muss man sein um das so zu sehen ?
    Etwas so geblendet wie die Audi Manger welche expandieren auf Teufel komm raus weil sie auf einen Aufschwung HOFFEN ??? !!!
    Die Hoffnung stirbt zuletzt...soweit so gut.
    ich verstehe nicht wie die Menschen so verblendet und kurzsichtig sein können um auf einen Aufschwung zu hoffen.
    Unser korrupten Spitzenpolitiker arbeiten seit vielen Jahren daran uns in den Untergang zu bringen.
    Nun, sie haben sie es geschafft.....
    Nur die dummen Schafe ( wir ) müssen noch aufgeweckt werden um das zu realisieren.

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