Trotz Euro-Impulses
Die deutsche Industrie wächst nicht

Im Juli konnte die deutsche Wirtschaft trotz positiver Impulse vom schwächeren Euro kein Wachstum ihrer Geschäfte verbuchen. In der Euro-Zone reichte es jedoch für eine Ausweitung der Geschäfte im Produzierenden Gewerbe.

HB BERLIN. Der BME/NTC-Einkaufsmanager-Index (EMI) für die deutsche Industrie blieb gegenüber Juni stabil auf 49,8 Punkten, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Montag mitteilte. Damit signalisierte der Index zwar den vierten Monat in Folge sinkende Geschäftsaktivität, er lag jedoch nur knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der entsprechende Index für die Euro-Zone schaffte knapp den Sprung in die Wachstumszone auf 50,8 Zähler. „Wir sehen weitere Zeichen für eine Stärkung der Industrie in der Euro-Zone, dieser Aufschwung ist allerdings dank des Wechselkurses hauptsächlich vom Export getragen“, sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt bei NTC. Die heimische Wirtschaft bleibe dagegen schwach.

Nachdem andere Frühindikatoren wie der Ifo-Index zuletzt eine Verbesserung des Geschäftsklimas in Deutschland signalisiert hatten, waren Volkswirte davon ausgegangen, dass der EMI für Deutschland auf 50,7 Punkte klettert. Beim Barometer für die Euro-Zone hatten sie einen Anstieg auf 50,5 Zähler erwartet.

Die Bestellungen aus dem Ausland legten bei deutschen Firmen so deutlich zu wie seit Januar nicht mehr und damit stärker als in den anderen Ländern der Euro-Zone. Das entsprechende Barometer lag mit 54,7 Zählern über dem Wert für den gesamten Auftragseingang, der um knapp einen Punkt auf 51,9 Zähler zulegte. „Unter den vier großen Ländern der Euro-Zone hat Deutschland das stärkste Exportwachstum. Es ist vor allem getragen von der Nachfrage nach Ausrüstung und Maschinen, wo Deutschland einen Wettbewerbsvorteil hat“, sagte Williamson.

Wegen der gestiegenen Nachfrage erhöhten die Unternehmen ihre Produktion deutlich - dieser Index erreichte 52,6 nach zuvor 50,9 Punkten. Sie entließen aber so viele Mitarbeiter wie seit anderthalb Jahren nicht mehr, was die Beschäftigungskomponente auf 46,8 von 48,3 Zählern drückte und somit den Gesamtindex belastete. Williamson erklärte, die deutschen Unternehmen versuchten ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Markt auszubauen: „Die Unternehmen versuchen so viel aus ihren Arbeitern herauszuholen wie möglich.“

Williamson geht davon aus, dass auch in den nächsten Monaten die Beschäftigung zurückgehen wird, äußerte jedoch auch Hoffnung, dass Firmen aus Japan, China und den USA weiter ihre Ausrüstung und Maschinen aus Deutschland beziehen. „Das könnte auch helfen, um Produktion und Auftragseingänge weiter zu verbessern, und somit den EMI über die 50-Punkte-Marke zu treiben.“

Der EMI für die Euro-Zone stieg auf ein Fünf-Monats-Hoch und zeigte ein leichtes Wachstum der Branche an. „Der Schlüsselsektor für das Wachstum sind die Produzenten von Investitionsgütern“, kommentierte Williamson das Ergebnis der Umfrage. Vor allem Firmen in Asien und den USA kauften wegen des gesunkenen Euro-Kurses Maschinen aus Europa. Für einen Aufschwung bei der Binnennachfrage in den großen europäischen Ländern gäbe es aber nur wenige Anzeichen. Am stärksten steigerten französische Firmen ihre Produktion, während ihre spanischen Konkurrenten das geringste Wachstum verbuchten.

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