Trotz geringer Wachstumserwartungen betrachtet die Notenbank die Leitzinsen als zu niedrig: EZB hat erste Zweifel am Aufschwung

Trotz geringer Wachstumserwartungen betrachtet die Notenbank die Leitzinsen als zu niedrig
EZB hat erste Zweifel am Aufschwung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erstmals Zweifel geäußert, ob die seit langem prognostizierte Erholung des privaten Konsums tatsächlich stattfinden wird. In der Pressekonferenz nach der gestrigen Zinsentscheidung stellte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet entsprechende Erwartungen ausdrücklich unter den Vorbehalt, dass die Konsumentwicklung unsicher sei.

noh FRANKFURT/M. Ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum in diesem Jahr hat die EZB nochmals deutlich auf 1,6 Prozent gesenkt. Vor drei Monaten waren es noch 1,9 Prozent, im September sogar 2,3 Prozent. Die Wachstumserwartung für 2006 wurde leicht auf 2,1 Prozent nach unten revidiert.

Das Gleiche gilt für die Inflationsrate in diesem Jahr, die nun mit 1,9 Prozent veranschlagt wird. Im Januar lag sie mit 1,9 Prozent erstmals seit langem wieder unter zwei Prozent, im Februar nach ersten offiziellen Schätzungen bei 2,0 Prozent. Im Jahr 2006 wird die Inflationsrate den Projektionen zufolge weiter auf 1,6 Prozent sinken. Nach der Zieldefinition der EZB ist Preisstabilität gegeben, wenn die Inflation „unter, aber nahe bei zwei Prozent“ liegt.

Trotz der günstigen Prognosen für die Inflation und der neuerlichen Enttäuschung der Wachstumserwartungen der EZB machte Trichet in ungewohnter Deutlichkeit klar, dass der EZB-Rat das derzeitige Leitzinsniveau von zwei Prozent für abnormal niedrig hält. „Jeder weiß, dass wir irgendwann die Zinsen erhöhen müssen“, sagte Trichet. Über die Möglichkeit einer Zinssenkung sei im EZB-Rat nicht gesprochen worden, ergänzte er auf eine entsprechende Frage. Gleichzeitig betonte Trichet mehrfach, der EZB-Rat sei „sehr pragmatisch“ und schaue sich alle Daten genau an. Damit schien er die unter den Bankenvolkswirten vorherrschende Einschätzung zu bestätigen, dass der EZB-Rat auf eine Gelegenheit warte, mit dem Zinserhöhungsprozess zu beginnen, diese jedoch erst beschließen werde, wenn es genügend Anzeichen für einen stabilen, sich selbst tragenden Aufschwung gebe.

Der Terminsatz für Dreimonatsgeld per Ende September, der in der Regel etwas oberhalb des für diesen Termin erwarteten Leitzinses liegt, sank um zwei Hunderstel auf 2,35 Prozent. Damit verschob der Geldmarkt als Reaktion auf Trichets Aussagen den Termin für die erwartete Zinserhöhung leicht nach hinten. Der Euro fiel im Verlauf der Pressekonferenz im Verhältnis zum US-Dollar leicht zurück.

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