Tumpel-Gugerell setzt auf stabile Preise
Welteke: Weitere Zinssenkung bringt nichts

Bundesbankpräsident Ernst Welteke ist der Ansicht, dass eine weitere Zinssenkung durch die EZB keine Wirkung für die WIrtschaft hätte.

HB FRANKFURT. Eine Zentralbank habe nur geringe Mittel, den in der Euro-Zone noch schwachen Konsum anzukurbeln, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Welteke in einem am Donnerstag verbreiteten Interview. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Verbraucher gibt, die ihre Entscheidung über Ersparnis und Konsum von den Leitzinsen der Zentralbank abhängig machen.“ Die Konsumnachfrage sei ein Problem, während die Exportnation Deutschland andererseits vom Wachstum der Weltwirtschaft profitieren werde. „Die Konsumnachfrage könnte insbesondere auch durch die steigende Kaufkraft im Zuge von Preisniveaustabilität ansteigen“, sagte das EZB-Ratsmitglied.

Der Konsum sei derzeit die „Hauptsorge“ der EZB, zitierte Bloomberg zudem EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell. Es sei abzuwarten, wie die schrittweise Erholung auf diesen übergreifen werde. „Stabile Preise sind der beste Beitrag, den wir leisten können“, äußerte auch sie ein Argument gegen eine weitere Zinssenkung der EZB.

Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in einem Interview am Mittwoch hatten den Zinssenkungserwartungen an den Finanzmärkten neuen Auftrieb gegeben. Trichet hatte angekündigt, die Zentralbank werde ihre Einschätzung einer allmählichen Konjunkturerholung überdenken, wenn der Konsum nicht anspringen sollte. Die von der EZB seit Februar hervorgehobene Schwäche des Privatverbrauchs hat inzwischen die Euro-Stärke als größten Risikofaktor für die noch schleppende Konjunkturerholung abgelöst. Nach Einschätzung von Analysten ist die Bereitschaft der EZB zu einem weiteren Senken des mit 2,00 % bereits historisch niedrigen Leitzinses gewachsen für den Fall, dass noch weitere schwache Konjunkturdaten die Erholung in Frage stellen. Die meisten Experten rechnen damit aber noch nicht in der kommenden Woche.

Welteke bekräftigte, die Risikofaktoren für die wirtschaftliche Belebung seien seit Jahresbeginn gewachsen, wenn auch nicht dramatisch. Die Bombenanschläge von Madrid und die Angst vor weiteren Attentaten führten zu steigenden Sicherheitsausgaben. „Das lähmt den wirtschaftlichen Aufschwung nicht nur als psychologischen Faktor, sondern auch faktisch.“ Der Bundesbankpräsident bekräftigte jedoch, weiterhin von einer Wirtschaftserholung auszugehen. Der Euro-Kurs gebe derzeit keinen Anlass zur Sorge. Der Euro notiert derzeit bei 1,21 Dollar. Zu Jahresbeginn hatte die Währung einen Höchststand von rund 1,29 Dollar erreicht. Die EZB hatte mit Warnungen vor zu starken Kursausschlägen maßgeblich zu einem Ende des Höhenflugs beigetragen.

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