Überraschende Eintrübung
US-Jobmarkt verharrt in Krisenstarre

Rückschlag für die US-Wirtschaft: Die Zahl der Beschäftigten sank im September überraschend stark. Mit dem Stellenabbau schwinden auch die Chancen für eine kräftigen Aufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Möglich, dass die Fed nun noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpt.
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HB WASHINGTON. Sie nahm um 95 000 ab, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten einen unveränderten Stand erwartet. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 9,6 Prozent. Der Euro legte nach den Daten zu, die deutschen Aktien gaben nach.

Besonders viele Stellen bauten öffentliche Arbeitgeber ab, hier gingen 159 000 Jobs verloren. Auch im Bau und in der Industrie kam es zu einem Stellenabbau. Dienstleister stellten zwar mehr neue Mitarbeiter ein als im Vormonat, das reichte jedoch nicht, um den Rückgang insgesamt auszugleichen.

Mit dem Stellenabbau schwinden auch die Chancen für eine kräftigen Aufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Sie hängt zu 70 Prozent vom privaten Konsum ab. Die Wirtschaftskrise hatte mehr als acht Mio. Amerikanern den Job gekostet.

Ein Vertreter der US-Notenbank Fed dämpfte derweil die Erwartungen an eine weitere geldpolitische Lockerung in den USA. Die Fed stehe angesichts der holprigen Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft bei ihrer nächsten Sitzung im November vor einer schwierigen Entscheidung, sagte der Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard, am Freitag. Die Wirtschaft habe zwar an Schwung verloren, aber nicht so stark, dass weitere Schritte offensichtlich seien. Allerdings liege die Inflation unter dem Niveau, das die Fed anstrebe. Der Dollar-Kurs stieg nach den Äußerungen Bullards zum Euro.

In den vergangenen sechs bis acht Wochen habe zudem offenbar das Risiko nachgelassen, dass die US-Wirtschaft in die Rezession zurückfalle, sagte Bullard weiter. Die Erholung hat in den USA zuletzt deutlich an Schwung verloren. Vor allem am Arbeitsmarkt lassen deutliche Fortschritte auf sich warten. Von Reuters befragte Analysten rechnen damit, dass die Arbeitslosenquote im September auf 9,7 Prozent gestiegen ist.

Die Fed hatte vor wenigen Wochen angekündigt, bei einer weiter schwachen Konjunkturentwicklung noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen zu wollen. Seit Anfang September verlor die US-Währung daraufhin kräftig an Wert. Dafür stehen die USA inzwischen auch international in der Kritik.

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