Überraschender Trend
Dienstleister kommen aus dem Tal der Tränben heraus

Grund für die besseren Geschäfte der deutschen Dienstleister war ein Zuwachs bei den Neuaufträgen und die steigende Zuversicht der Firmen, die so optimistisch in die Zukunft schauen wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Der Swing in den positiven Wertebereich kam überraschend.

HB BERLIN. Die Durststrecke für die deutschen Diesntleister scheint beendet. Einer Umfrage zufolge konnten sie ihre Geschäfte erstmals wieder ausweiten.

Der Reuters-Service-Index stieg auf 51,8 von 48,1 Punkten im Juli, wie am Mittwoch das Forschungsinstitut NTC mitteilte. Ihre Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate bewerteten die rund 500 befragten Unternehmen so günstig wie seit Frühjahr 2002 nicht mehr. „Wir kommen langsam aus der Rezession heraus“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Der Index-Anstieg in Deutschland wurde nach Angaben von NTC nicht nur von der gewachsenen Hoffnung auf bessere Geschäfte, sondern auch von einem tatsächlich besseren Neugeschäft getragen. Etwa ein Viertel der Befragten verbuchte im August mehr Neuaufträge als im Vormonat. Kastens sagte, die Daten zeigten wie das jüngste Ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex für die Industrie, dass „mittlerweile Bewegung in das Wirtschaftswachstum reinkommt“.

Finanzsektor im Aufwind

Die deutlichste Verbesserung in der Dienstleistungsbranche verzeichnete der Finanzsektor; Unternehmen aus den Bereichen Post- und Telekommunikationssektor hinkten dagegen etwas hinterher. „Nach der tiefen Krise im Bankensektor war hier eigentlich nur noch Raum für Verbesserung“, sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Die besseren Geschäfte reichten allerdings nicht aus, um dem Trend zum Stellenabbau im Dienstleistungsbereich zu stoppen. Etwa ein Fünftel der Befragten gab NTC zufolge an, aus Kostengründen Mitarbeiter zu entlassen. Allerdings signalisierte die Umfrage den geringsten Stellenabbau seit Oktober 2002. Trotz des weiteren Personalrückgangs spielten NTC zufolge steigende Gehaltskosten eine zentrale Rolle beim Kostenzuwachs im August.

Belebung in der Euro-Zone

Wie in Deutschland liefen auch in der Euro-Zone die Geschäfte der Dienstleister besser. Der Index für das Währungsgebiet legte auf 52,0 nach 50,2 Punkten im Juli zu. Werte über 50 signalisieren eine Ausweitung der Geschäfte, Werte darunter einen Rückgang. Dabei hätten zum ersten Mal seit 13 Monaten die Dienstleister in allen vier großen Volkswirtschaften der Euro-Zone - Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien - eine Ausweitung ihrer Geschäfte gemeldet, berichtete NTC.

Bereits am Montag hatte der Reuters-Einkaufsmanagerindex für die ein Verlangsamung der Talfahrt dieser Branche in Deutschland und der Euro-Zone signalisiert. Insgesamt rechnen die Experten mit einem moderaten Aufschwung im kommenden Jahr, warnen aber vor übertriebenen Hoffnungen: „Man kann keine weißglühenden Wachstumsraten erwarten“, sagte Weidensteiner. Gerd Haßel von der ING BHF-Bank sagte, die Gesamtwirtschaft dürfte im dritten und vierten Quartal in Deutschland noch schwach sein „und zwar um die Stagnation herum“. 2004 sei dann ein Wirtschaftswachstum von 1,3 % zu erwarten. Die Prognosen der führenden Forschungsinstitute liegen etwas höher, die Bundesregierung erwartet zwei Prozent Wachstum.

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