Umfrage
Analysten: EZB-Zinssenkung im September

Die noch immer trüben Konjunkturaussichten und die niedrige Inflation wird die Europäische Zentralbank (EZB) nach mehrheitlicher Einschätzung von Analysten zu einer weiteren Zinssenkung im September veranlassen.

rtr LONDON. Für die nächste Ratssitzung am 10. Juli, nur einen Monat nach der Reduktion des Leitzinses um 50 Basispunkte auf 2,00 %, sagt keiner der 62 von Reuters befragten Volkswirte eine Zinsänderung voraus.

Wie die am Mittwoch veröffentlichte Umfrage ergab, gehen 43 Befragte vom September als Termin für eine Zinssenkung aus. Dabei tippten 17 von ihnen auf 50 Basispunkte und 26 erwarteten eine Reduktion um 25 Basispunkte. Ein Analyst rechnet schon im Juli mit einer Zinssenkung. In der Sommerpause tagt der EZB-Rat jedoch nur per Telefonkonferenz. Elf Volkswirte gingen vom vierten Quartal aus, falls die Wirtschaftsdaten zum dritten Quartal ergäben, dass die vergangenen geldpolitischen Lockerungen nicht ausreichend waren. Sechs Experten glauben, der Leitzins habe bereits den tiefsten Stand erreicht.

„In der kommenden Woche ist eine Zinssenkung unwahrscheinlich“, sagte Joachim Fels von Morgan Stanley. „Aber in den nächsten Monaten wird es keinerlei Anzeichen für eine nennenswerte Erholung geben.“ Die anhaltende Stagnation werde die Inflation in der Euro-Zone, die nach ersten Schätzungen im Juni bei 2,0 % lag, weiter dämpfen. Die EZB rechnet mit einem Rückgang der Teuerungsrate deutlich unter ihre Stabilitätsnorm, die sie bei Raten von knapp zwei Prozent erfüllt sieht. Damit hatten die Währungshüter den Zinsschritt im Juni begründet, mit dem sie den Leitzins in allen zwölf Ländern der Euro-Zone auf das niedrigste Niveau der Nachkriegszeit heruntergeschraubt hatte.

Als Belastungsfaktor für Exporte und die Konjunkturerholung tritt immer stärker der starke Euro-Kursanstieg der vergangenen Monate zu Tage, auch wenn sich die Gemeinschaftswährung in jüngster Zeit von ihrem Hoch bei knapp 1,20 Dollar auf Kurse um 1,15 Dollar eingependelt hat. Darauf hatten viele der 3000 Unternehmen hingewiesen, die für den Reuters-Einkaufsmanagerindex befragt worden waren. Der Index spiegelte einen anhaltenden Schrumpfungsprozess der Industrie wider.

Die jüngsten Umfragen zu Verbraucher- und Unternehmensstimmung hatten allerdings ergeben, dass sich die Konjunktur zumindest stabilisiert hat. Sollte es doch zu der von der EZB vorhergesagten Belebung im zweiten Halbjahr kommen und sich bei den Teuerungsraten kein anhaltender Abwärtstrend einstellen, wäre eine weitere Lockerung womöglich nicht notwendig. „Aktien- und Anleihemärkte haben sich gebessert, die Rezessionsangst scheint überwunden zu sein. Die Erholung wird sich beschleunigen, sobald mehr Verbraucher und Unternehmen wieder bereit sind, Risiken einzugehen“, sagte Adolf Rosenstock von der japanischen Bank Nomura.

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