Umfrage
Analysten schließen EZB-Zinssenkung weitgehend aus

Eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nach Einschätzung von Analysten unwahrscheinlich. Ein solcher Schritt würde der holprigen Konjunktur auch kaum nützen und nur zu höherer Inflation in der Zukunft führen, hieß es.

HB LONDON. In einer am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Umfrage unter 40 Volkswirten lag die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Absenkens des mit zwei Prozent schon niedrigen Leitzinses nur bei 20 Prozent. Trotz der zuletzt an den Finanzmärkten aufgekommenen Spekulationen über die Bereitschaft der EZB zu einer geldpolitischen Lockerung war dieser Wert kaum höher als bei einer entsprechenden Umfrage Ende Mai. Damals betrug die Wahrscheinlichkeit 15 Prozent. Nur sechs Volkswirte gaben eine Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent für dieses Szenario an.

Da die Zinsen schon niedrig seien, wäre nicht abzusehen, was weitere Senkungen nützen könnten. Eine Rücknahme des Zinses um 25 Basispunkte auf 1,75 Prozent würde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im darauf folgenden Jahr um gerade mal 0,1 Prozentpunkte erhöhen. Rein theoretisch könnten nach Schätzungen der Volkswirte 50 Basispunkte einen Wachstumseffekt von 0,2 Prozentpunkten nach sich ziehen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte in Madrid vor überzogenen Erwartungen an die Geldpolitik. „Eine gute Geldpolitik kann nicht für alles sorgen, was wir brauchen“, sagte er. Niedrige Zinsen allein könnten nicht zu mehr Wachstum und Beschäftigung führen. Es komme auch auf die Wirtschaftspolitik an.

Analysten gaben dem EZB-Chef Recht. „Das Zinsniveau ist eindeutig nicht das Problem, deshalb wäre eine Zinssenkung keine Lösung“, sagte Ditmer de Vries von der Rabobank in Utrecht. Die Konjunktur werde vielmehr von der Zukunftsangst der Menschen wegen der Globalisierung und der hohen Kosten der Sozialsysteme belastet. Stephane Deo von UBS in London warnte vor den langfristig schädlichen Folgen noch niedrigerer Zinsen. „Die EZB würde noch mehr Liquidität in das System pumpen, das würde vielleicht zu mehr Inflation führen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%