Umfrage des IW-Institutes
Deutsche Wirtschaft gibt sich optimistisch

Die deutsche Wirtschaft beurteilt ihre Lage deutlich positiver als noch im Frühjahr. Auch mit Blick auf 2006 sei sie sehr zuversichtlich, teilte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW/Köln) am Montag in Berlin mit.

HB BERLIN. Im kommenden Jahr sei ein Wirtschaftswachstum von bis zu 1,5 Prozent möglich. Fast ein Drittel der Betriebe wolle künftig mehr und nur ein Drittel weniger investieren, habe eine IW-Befragung von 1804 Unternehmen ergeben.

Der unverändert boomende Export rege mehr und mehr die Investitionstätigkeit an, sagte IW-Direktor Michael Hüther, der von insgesamt „erstaunlich guten Nachrichten“ sprach. „Wir sehen die Chance für einen zugkräftigen Aufschwung, und wir sehen sogar Potenzial nach oben.“

Auf Basis der Herbstumfrage und neuer Statistiken setzte das Institut seine Konjunkturprognose für 2006 deutlich nach oben. Statt 1,0 Prozent Wirtschaftswachstum erwarten die Forscher nun „bis zu 1,5 Prozent“. Doch bereits im Jahr 2007 ist laut Hüther wieder mit einem „deutlich schwächeren Wachstum“ von lediglich knapp einem Prozent zu rechnen - unter anderem wegen der dann vorgesehenen Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte. „Das kann die deutsche Wirtschaft nicht so locker verkraften“, warnte er.

Ein nennenswerter Abbau der Massenarbeitslosigkeit ist weiter nicht in Sicht. Rund 25 Prozent der befragten Unternehmen wollen künftig Personal abbauen, dagegen planen nur 20 Prozent Neueinstellungen.

In Westdeutschland deutet sich nach den Worten Hüthers eine Erholung auf breiter Front an. 45 Prozent der Unternehmen erwarten für das kommende Jahr eine höhere Produktion, nur 15 Prozent einen Rückgang. Sogar im seit gut zehn Jahren darbenden Baugewerbe werde 2006 „möglicherweise die Bodenbildung“ erreicht, sagte Hüther. Sein Fazit: „Die Industrie bleibt das konjunkturelle Zugpferd, die Dienstleistungen fassen Tritt und der Bau wird weniger bremsen.“

Auch in Ostdeutschland sei ein flächendeckender Auftrieb erkennbar, sagte Hüther. Hier erwarten 38 Prozent der Unternehmen eine steigende Produktion im kommenden Jahr, und nur noch 22 Prozent gehen von einer rückläufigen Produktion aus. Wie im Westen blicken auch hier die Hersteller von Investitionsgütern am optimistischsten in die Zukunft. Die düsterste Stimmung herrscht in der Baubranche: 53 Prozent der ostdeutschen Baufirmen gehen von einer rückläufigen Produktion aus, nur sieben Prozent erwarten eine Verbesserung im Jahr 2006.

Dynamisch bleibt hingegen die Entwicklung im Export. Laut der IW-Umfrage erwarten fast 42 Prozent der deutschen Unternehmen 2006 weiter steigende Ausfuhren, bei nur 7,5 Prozent sind die Erwartungen schwächer. „Der Exportmotor rollt ungebremst weiter“, sagte Hüther. Die Belastungen der vergangenen Monate durch hohe Ölpreise und Wechselkursschwankungen seien aus Sicht der Firmen offenbar inzwischen berechenbarer geworden. Befragt wurden 570 Firmen aus dem Osten und 1.234 aus dem Westen.

Das Institut wies zugleich auf Risiken hin. Dazu gehören laut Hüther Rückschläge im Welthandel, eine weitere Ölpreisrallye „oder ein hausgemachter Torpedo in Form überzogener Tarifabschlüsse“.

Das deutliche Signal der Europäischen Zentralbank für eine bald bevorstehende Erhöhung der Leitzinsen im Euroraum bewertete Hüther als „nicht plausibel“. Es sei gut, „Warntafeln“ zu errichten, doch sei die Zeit für eine Erhöhung noch nicht gekommen.

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